spieltheoretisches Modell über die Mitte der Gesellschaft nach dem Aufsatz

 

Stability in Competition (Harold Hotelling)

 

1929 entwarf Harold Hotelling, einer der wichtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts ein Modell von Eisverkäufern am Strand, um die besten Standortbedingungen unter marktwirtschaftlichen Gegebenheiten nachzuvollziehen.

 

Folgende Annahme: Ein Strand misst 100 Meter in der Länge und 10 Meter in der Breite, jeweils östlich und westlich durch einen Felsen begrenzt. Nördlich die Promenade und südlich das Meer. Am Strand tummelt sich eine wohlsortierte gleichmäßige Menge von Badenden. Zwei Eisverkäufer teilen sich dieses Revier. Ihr Ziel ist es selbstredend möglichst viel Profit durch Eisverkäufe zu tätigen. Am besten tun sie das, wenn sie sich den Strand gleichmäßig teilen. Jeder verkauft auf einer Strandfläche von 50 Meter. Der eine stellt seinen Eiswagen bei der Metermarke 25, der andere dagegen seinen Eiswagen bei Metermarke 75 auf. Ihre Verkaufsgebiete sind gleich groß und es ist spieltheoretisch anzunehmen, dass unter der Voraussetzung einer gleichmäßigen Verteilung der Touristen am Strand beide Eisverkäufer ähnlich hohe Profite erzielen.

 

Möglichereise kommt einer der Eisverkäufer auf die Idee mehr Eis verkaufen zu wollen und versucht dem anderen Kundschaft wegzunehmen, in dem er beispielsweise auf Metermarke 40 heranrückt. Darauf wird der andere Eisverkäufer auch von seiner Metermarke 75 abziehen und beispielsweise auf Metermarke 60 zugehen. Je näher jedoch die Eisverkäufer aneinander rücken, desto eher werden die Kunden wegbleiben, die weiter am östlichen oder westlichen Rand ihre Badelaken ausgebreitet haben. Denen wird der Weg in die Mitte wahrscheinlich zu weit und sie verzichten auf den Eiskauf. Je näher also beide Eisverkäufer aneinander rücken, desto wahrscheinlicher wird ein Umsatzrückgang sein. Außer den Gästen, die sich eh in der Mitte des Strandes aufhalten profitiert niemand von diesem Verhalten. Am allerwenigsten die Eisverkäufer.

 

Dieses spieltheoretische Modell lässt sich auch gut auf das Gehabe von großen Volksparteien übertragen, die um Wählerklientel aus der Mitte buhlen. Folge eines solchen Verhalten ist auch, dass sich an den Marginalen neue Eisverkäufer einfinden und die Klientel am rechten und linken Rand bedienen.

 

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