[Webbased Lesson / Online-Live-Unterricht]

soziale Aktivierung (social facilitation)

Trittbrettfahren (social loafing)

Kleingruppe

informelle Gruppe

Gruppenzusammensetzung

Gruppendenken

Gruppenleistungsformel

peer-group (Gruppe Gleichaltriger)

Gruppendefinition

WEISHEIT DER WOCHE:

* Wenn Gott gewollt hätte, dass wir nicht zum Denken geboren worden wären, dann hätte er uns ein Wasserauffangbecken als Kopf mitgegeben. Damit hätte er auf jeden Fall die Trinkwasserversorgung sicherstellen können.

Literatur zum sozialpsychologischen Thema:

Große Gruppen

Brown, Rupert (1990)

Leggewie, Claus (1997)

Funke, Harald (1997)

Schimank, Ulrich (2000)

Giddens, Anthony (1999)

Schimank, Ulrich (2000)

Argyris, Chris / Schön, Donald A. (1999)

Literatur zum sozialpsychologischen Thema:

Kleine Gruppen

Fischer, Lorenz und Wiswede, Günter (1997)

Avermaat van, Eddy (1990)

Neidhardt, Friedhelm (1979)

Gruppenleistung

--Fischer, Lorenz und Wiswede, Günter--

soziale Aktivierung (social facilitation)

Anwesenheit anderer Personen führt nach Zajonc bei Probanden, denen leichte Aufgaben gegeben werden zur
  • Leistungsverbesserung (Aktivierung),
  • jedoch bei schwierigen Aufgaben zur
  • Leistungsverschlechterung (Hemmung).
  • Schlussfolgerung: Die Anwesenheit von Publikum emphasiert die Auftretenswahrscheinlichkeit dominanter Reaktionen.

    Leistung in interagierenden Gruppen

    Grundsätzlich kann das Zusammenarbeiten von Menschen nämlich sowohl leistungsfördernde als auch leistungshemmende Wirkungen haben.

    Leistungshemmende Faktoren

    Schlußfolgerung des Experimentes:

  • Motivationsverluste in der Gruppensituation (social loafing - Trittbrettfahren)
  • Koordinationsverluste
  • Gruppenleistungsformel:

    (vgl. Experimente zu Motivations- und Koordinationsverluste von Latané, Williams & Harkins 1979 auf Seite 573)

    social loafing (Trittbrettfahren)

    Entscheidend im Zusammenhang des Trittbrettfahrereffektes scheint die Instrumentalität zu sein, die das Gruppensubjekt im Zusammenhang wahrnimmt:

    Solche Überlegungen determinieren die Intensität der Anstrengungen eines jeden Gruppenmitgliedes. Nach den metaanalytischen Studien von Karau & Williams (1993) sind folgende Ergebnisse beim social loafing interessant zu beobachten:

    Personen, die für das Arbeiten in Gruppen intrinsische Befriedigung mit sich bringt, und die eine weniger individualistische Lebensorientierung haben, arbeiten auch in größeren Gruppen mit gleicher Intensität wie in individuellen Leistungssituationen. Das social loafing ist in fernöstlichen Kulturen und bei Frauen seltener anzutreffen, als bei individualistisch motivierten Männern der westlichen Kultur. Die Gruppenorientierung bedeutet eine Abkoppelung von der Bewertung der Ergebnisse; die Gruppenarbeit verliert ihre instrumentelle Funktion und wird selbst zum Ziel.

    Gruppenaufgaben

    nach Steiner (1972) muss der Gruppenleistungsvorteil nach der Art der Aufgabe unterschieden werden:

  • Frage nach der Aufgabenteilung in Subkomponenten

    (beim Lesen eines Buches ist diese Aufgabenteilung nicht so sinnvoll, wie beim Hausbau)

  • Gruppenpriorität

    Quantität (Maximierungsaufgabe, z. B. Seilziehen) oder Qualität (optimierungsaufgabe, z. B. Problemlösung)

  • Verhältnis Einzelleistung der Individuen zum Gruppenprodukt
  • Aufgabenunterscheiungen

    (vgl. zum Thema Tabelle 21 zur Gruppenproduktivität auf Seite 578)

    Synergie-Effekte (kumulative Effekte)

    Beispiel: Auf der Basis eines Beitrages (1) der Person A kommt B auf eine zusätzliche Idee (2). Diese Idee regt C zu einer Modifiktation (3) an, die von D nochmals präzisiert wird (4). Die jeweils vorausgegangenen Beiträge bieten gewissermaßen die Anregungsbedingungen für die Folgebeiträge.

    Delphi-Methode

    Der Gruppenleiter läßt z. B. Experten individuelle Ideen ausarbeiten, sammelt diese Lösungen und meldet die durchschnittlichen Lösungen an diese wieder zurück. Wer stark von dem Durchschnitt abweichende Lösungen vorgeschlagen hat, erhält nun die Möglichkeit, seinen Vorschlag kritisch zu verteidigen. Begründungen und Abweichungen werden wiederum allen Mitgliedern mitgeteilt. In mehreren solcher Feedback-Schleifen wird die Lösung dann optimiert.

    Gruppenzusammensetzung

    Risiko-Schub (risky shift)

    Entscheidungen in der Gruppe sind risikofreudiger als Einzelentscheidungen (vgl. Experimente zum Risikoschub auf S. 581). Gründe dafür wie folgt:

    Gruppendenken

    ist ein Konformitätsprozess innerhalb der Gruppe, der dazu führt, dass man im Hinblick auf eine gegebene Aufgabe nicht mehr die große Bandbreite sämtlicher gegebener Alternativen in den Entscheidungsprozess einbezieht, sondern dass sich innerhalb der Gruppe voreilig eine gemeinsame Strategie herausbildet, die von keinem der Gruppenmitglieder in Frage gestellt wird.

    Rahmenbedingungen des Groupthinking:

  • Gruppenkohäsion
  • Entscheidungsdruck
  • kollektive Rationalisierungsprozesse
  • Symptome des Groupthinkings:

  • Überschätzung der Gruppe
  • Close-Mindness
  • Gruppendruck durch Uniformität
  • Gesinnungskontrolle
  • Isolation (Militär, Sekten, Terrororganisationen)
  • Entscheidungsprozess im Zusammenhang des Groupthinking nach Janis:

  • Einladung externen Expertenkommissionen
  • unvoreingenommene Gruppenleiter
  • second-chance-meetings

    Janis verweist auf ein Entscheidungsritual der antiken Perser. Diese faßten alle wichtigen Entscheidungen zweimal: einmal nüchtern und beim zweiten Mal, nachdem sie getrunken hatten.

  • weitere Tendenzen des Groupthinking-Entscheidungsprozesses:

  • Entrapment

    liegt vor, wenn das Gruppenziel stetige Verluste erleidet durch das Beharren auf falschen Entscheidungen einzelner Gruppenmitglieder

  • Escalation of commitment

    Neigung, nach einer Fehlentscheidung durch steigende Investitionen doch noch zu einem erfolgreichen Abschluß zu kommen

  • Sunk cost

    Entscheidung zu gunsten von Strategien, in die besonders viel investiert wurde

  • Sozialer Einfluss in Kleingruppen

    -- Avermaat van, Eddy --

    Die Wahrnehmung autokinetische Effekte:

    Die Versuchsteilnehmer von Muzafer Sherifs (1935) Experimenten auf die Wahrnehmung solcher autokinetischer Effekte ergab, dass die die die ersten Urteile alleine abgegeben hatten, rasch eine Standardschätzung des Wahrgenommenen entwickelten, um die sich die Urteile im folgenden bewegten. Diese Schätzung war stabil, variierte aber stark zwischen den Individuen. In den Gruppendurchgängen des Experiments, in denen Personen mit unterschiedlichen persönlichen Standardschätzungen zusammenkamen (also die, die Jesus im Linkbeispiel sehen und die, die ihn nicht sehen), konvergierten die Urteile der Teilnehmer in Richtung einer mehr oder weniger gemeinsamen Position - einer Gruppeneinschätzung.

    Experimente zur Konformität

    Solomon Asch untersuchte in interessanten Experimenten, wie zuvor von einer Gruppe richtig eingeschätzte Ergebnisse von der selbigen Gruppe für falsch erklärt wurden, wenn sie von außen beeinflußt werden.

    Warum verhalten sich Menschen konform?

    Menschen möchten auf der einen Seite eine richtige Beurteilung abgeben und sie möchten aber auch auf die anderen einen guten Eindruck machen.

    Zur Urteilsbestimmung gibt es zwei Informationsquellen: das, was die Sinne und die physikalische Realität mitzuteilen im Stande ist und das, was andere sagen.

    normativer und Informationseinfluß

    Akzeptiert ein Individuum das Urteil anderer, so wird dies Informationseinfluß genannt, was bedeutet, dass der Mensch dem Urteil anderer mehr Glauben schenkt, als seinem eigenen Urteilsvermögen.

    Akzeptiert ein Individuum das Urteil anderer nicht, beugt sich aber trotzdem dem Gruppendruck, um der Ablehnung durch die Gruppe nicht fürchten zu müssen, so wird dies normativer Einfluß genannt.

    Das Wilder-Experiment von 1973 zeigt, dass mehrere unabhängige Informationsquellen verläßlicher sind als eine einzige summierte.

    Konformität

    Ein Experiment zur Schlüsselrolle des normativen Einflusses von Dittes & Kelly (1956) beweist, dass bei Versuchspersonen mit mittlerem sozialen Status höhere Gruppenkonformität vorherrscht, als bei Versuchspersonen mit hohen oder niedrigen sozialen Status. Teilnehmer mit hohem Status können sich Abweichungen von der Gruppe leisten; solche mit niedrigem Status haben nichts zu verlieren (möglicherweise ist ihnen die Gruppe sogar völlig gleichgültig); Teilnehmer mit mittlerem Status gewinnen durch Konformität am meisten und haben andererseits viel zu verlieren, wenn sie sich non-konform verhalten.

    Nach einer Untersuchung von Allen und Levine (1971) nimmt die Konformität ab, je gößer und wertvoller die soziale Unterstützung wird.

    Öffentliche versus Private Meinung

    Eine öffentliche Einschätzung eines Probanden ist konformer als die private Einschätzung. Die Bedingung der Überprüfbarkeit läßt den Probanden bei öffentlichen Einschätzungen konformer reagieren.

    Innovation und Minoritätseinfluß

    Die Macht einer konsistenten Minorität

    Sergjei Moscovici führt die Macht einer konsistenten Minorität (vgl. den Film "Die 12 Geschworenen") auf ihren Verhaltensstil zurück, weil eine Minderheit muss zu einem fraglichen Sachverhalt eine klare Position beziehen, diese verteidigen und ständig dem von der Mehrheit ausgeübten Druck Widerstand leisten. Das wichtigste Element dieses Verhaltensstils ist die Konsistenz, mit der die Minorität (Minderheit) ihre Position bezieht und verteidigt. Diese Konsistenz besteht aus 2 Komponenten:

    Das meint, wenn sich die Angehörigen einer Minorität untereinander einig (diachron) sind und diese Fähigkeit über die Zeit (synchron) aufrechterhalten, können sie darauf hoffen, dass die Majorität (Mehrheit) ihre eigene Position in Frage stellt, die Richtigkeit der Position der Minorität in Erwägung zieht und eventuell davon beeinflußt wird.

    Wenn allerdings eine Minorität in ihrem Verhalten keinerlei Flexibilität zeigt (wo der Kontext sie erlauben würde), hat sie trotz Konsistenz keinen Effekt, weil sie unter diesen Umständen vermutlich als rigide und wirklichkeitsfern wahrgenommen wird.

    Compliance und Konversion

    Bewirken Minderheiten stets mehr kognitive Aktivität als Mehrheiten? Tritt kognitive Aktivität notwendigerweise als Konzentration auf die Fragestellung auf, oder könnte sie auch in Form der Konzentration auf die Quelle wirksam werden? Selbst wenn ersteres der Fall ist, bewirkt kognitive Aktivität notwendigerweise eine Veränderung lediglich hinsichtlich der Quelle? Wann und warum kommt es zu diesem Phänomen?

    Gruppenpolarisierung

    Versuch von Stoner (1961): Probanden arbeiten im Experiment mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit, aber geringem Wert und als Alternative Experiment mit einem attraktiveren Handlungsverlauf, aber geringerer Erfolgswahrscheinlichkeit. Vor Beginn des Versuches füllen die Teilnehmer jeder für sich einen Fragebogen aus (Präkonsens), dann diskutieren sie ihre Fragebögen und erstellen daraufhin einen neuen Konsens und gaben zum Schluß noch einmal eine Bewertung ab (Postkonsens).

    Ergebnis: Der Postkonsens begünstig eher die riskantere Entscheidungsvariante im Präkonsens.Prä- und Postkonsens bilden Pole. Dabei muss der so geleistete Risikoschub von Prä- zum Postkonsens nicht immer so verlaufen. Die Richtung kann sich auch in einer Reihe von weiteren untersuchten Experimenten in die "vorsichtigere" bewegen (vgl. dazu Mosovici und Zavallonis Experiment mit französischen Schülern über ihre Einstellung zu de Gaulle und den USA auf Seite 387).

    Erklärung der Gruppenpolarisierung: normativer und Informationseinfluß

    Gruppendenken: ein extremes Beispiel der Polarisierung

    Gruppendenken entsteht dann, wenn eine hoch kohäsive Gruppe gleichgesinnter Personen von der Suche nach Konsens derart überwältigt wird, dass ihre Wahrnehmung der Realität Schaden nimmt. Nach Janis' Auffassung wird dieser Prozeß durch folgende Bedingungen gefördert:

    Wie sollte sich der Führer verhalten? Wie würde sich ein Avocatus diaboli auf die Gruppe auswirken? Welchen Vorteil kann man sich davon versprechen, wenn jedes Gruppenmitglied seine eigenen Gedanken und Argumente unabhängig von den anderen für sich niederschreibt?

    Vom Gehorsam gegenüber unmoralischen Befehlen und dem sozialen Einfluß von Autoritäten erzählt das MILGRAM-EXPERIMENT in aller Deutlichkeit.

    Das innere System sozialer Gruppen

    -- Neidhardt, Friedhelm --

    Gruppendefinition:

    Merkmal der Diffusheit der Mitgliederbeziehungen gilt für informelle Gruppen, wie Schulklassen, Fußballmannschaften, Aufsichtsräte, ect.

    Einfache Sozialsysteme (nach Niklas Luhmann) oder encounter nach Erving Goffman sind z. B. flüchtige Begegnungen von Menschen im Zugabteil oder vor der roten Ampel.

    Umweltbedingungen der Gruppe:

    Höchst einflußreich für die Ausprägung der "inneren" Gruppentendenzen ist die Variable, ob und in welchem Maße die Gruppe von außen unter Handlungsdruck steht. Es entsteht ein Zwang zur Übernahme instrumenteller Rollen innerhalb der Gruppe.

    Individualisierung sozialer Wahrnehmung:

    Es läßt sich annehmen, dass Gruppen - z. B. in Abhängigkeit von Außenweltbedingungen - wie Handlungsdruck, Ressourcenlage und Mitgliedschaftsalternativen - in unterschiedlichem Maße zu einer Moralisierung von Scham- und Taktgefühl, den wohl zentralen Abgrenzungsmechanismen, gegenüber inneren Umwelten, tendieren. Schamgefühl wäre die Verinnerlichung von Schranken der Selbstdarstellung, Taktgefühl die Stilisierung der Technik, fehlerhafte "indiskrete" Selbstdarstellung als ungeschehen zu behandeln, sie also sozial folgenlos zu absorbieren.

    Personalisierung der Handlungszurechnung:

    Anders als in Organisationen und Großverbänden entsteht der primäre systemkonstitutive Umweltdruck in Gruppen nicht in der Aussenwelt, wie stark deren Einflüsse im übrigen sein mögen. Er entsteht daraus, dass in Gruppen jene Umwelt, die die Mitglieder als Personen mitbringen und darstellen, ertens authentisch wahrnehmbar und angesichts des Persönlichkeitsprinzips von Gruppen zweitens nur sehr begrenzt ignorierbar ist.

    Gefühle als Steuerungsmedien:

    Die Systembedeutung von Gefühlen wie z. B. Sympathien, Antipathien, Sündenbockrollen, Achtung, Autorität, Vertrauen, ect. beruht letzlich darauf, dass jedes System das Verhalten seiner Mitglieder in einem Mindestmaße erwartbar machen muß.

    Des Weiteren gilt es eine Klasse von Gefühlen zu erwähnen, ohne deren Existenz die Fortdauer von Gruppen und Gruppenbeziehungen angesichts der immer wieder auftretenden Takt- und Schamlosigkeit, Vertrauensbrüche und Enttäuschenungen aller Art überhaupt nicht gedacht werden kann. Gemeint sind Gefühle wie Dankbarkeit, Treue und Liebe.

    Widersprüche, Konflikte, Balancierungsprobleme:

    Balancierungsprobleme innerhalb der Gruppe steigen, je größer der externe Handlungsdruck wird. Ist der Handlungsdruck nach außen hin groß, dann müssen die inneren Tendenzen der Gruppe mit instrumentellen Erfordernissen ins Lot gebracht werden, was nur möglich ist, wenn innere Abgrenzungsmechanismen schärfer greifen, Rollendefinitionen standardisiert und Gefühle diszipliniert werden. Nach Lothar Krappmann sind in solchen Fällen personale Kompetenzen wie Rollendistanz, Empathie (Einfühlungsvermögen) und Ambiguitätstoleranz gerfragt. Ausserdem sollten, um Widersprüche, Konflikte und Balancierungsprobleme innerhalb der Gruppe im Rahmen zu halten, darauf geachtet werden, dass mit der Rekrutierung von Gruppenmitgliedern eine gewisse Heterogenität der Mitgliedschaft im Hinblick auf Orientierungen und Fähigkeiten gewährleistet wird, sonst kann das für Balancierung notwendige Ausmaß gruppeninterner Pluralität nicht entstehen.

    Beziehungen zwischen Gruppen

    -- Brown, Rupert --

    inkompatible Gruppenziele

    konkordante Gruppenziele

    Die Kontakthypothese

    Ganz allgemein formuliert, unterstellt diese Hypothese, dass Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen unter entsprechenden Bedingungen Vorurteile und Feindseligkeit zwischen Gruppen reduziert.

    Allerdings Kontakt zwischen Gruppen alleine - ohne Kooperation zu einem gemeinsamen Ziel - reduziert Vorurteile nicht, sondern verschärft sie möglicherweise nur; werden jedoch die Ziele der Kooperation nicht erreicht, wo zuvor eine Wettbewerbssituation stattgefunden hat, verschwindet die Sympathie für die Fremdgruppe.

    Führt die Zugehörigkeit zu einer Nation (oder Religion oder sozialen Klasse) aus sich selbst heraus zu vorhersagbaren Orientierungen gegenüber Angehörigen eines anderen Landes (einer anderen Religion usw.)?

    Experimente mit minimalen Gruppen

    Die Experimente von Rabbie & Horwitz (1969) zeigen, dass alleine die Klassifikation in minimale Gruppen per se nur geringen Einfluß auf die Urteile der Versuchsteilnehmer hatte, nur wenn diese Klassifikation mit einer gemeinsamen Erfahrung, Belohnung oder Frustration zusammenhing, kam es zu gruppenbezogenen Wahrnehmungen, jedoch reicht der bloße Akt der Zuteilung auf willkürliche soziale Kategorien aus, um fehlerhafte Beurteilungen und diskriminierendes Verhalten auszulösen (vgl. Experiment Tajfel et al. von 1971 auf S. 414f.)

    Fairness:

    Offensichtlich zeigen Menschen eine klare Neigung dazu, die Ergebnisse für Eigen- und Fremdgruppe in derartigen Situationen gleich zu halten. Ebenso offensichtlich ist jedoch, dass sie fast stets zu Mitgliedern der Eigengruppe "fairer" sind als zu denen der Fremgruppe.

    Das Phänomen der Stereotypisierung

    Stereotypisierung wirkt gewissermaßen als mentale "Abkürzung", da die Wahrnehmung einer Person als einer bestimmten Kategorie (z. B. Männer) zugehörig die Schlußfolgerung enthält, dass diese wahrscheinlich dominant, aufgabenorientiert, aggressiv, rational, usw. ist (Ashmore 1981). Und genau weil Stereotypen Abkürzungen sind, führen sie häufig zu völlig falschen Schlüssen.

    Ein weiteres Phänomen, das in Verbindung mit Kategorisierung auftaucht, ist eine verstärkte Wahrnehmung der Homogenität innerhalb von Gruppen: Mitglieder einer Gruppe werden häufig als einander sehr ähnlich gesehen. Interessant ist dabei, dass diese Wahrnehmung der Homogenität scheinbar kein symmetrischer Prozess ist: Fremdgruppen werden im allgemeinen als homogener wahrgenommen als Eigengruppen. "Die anderen"´sind alle gleich, aber "wir" sind voneinander unterscheidbar so scheint es. Betrachtet dagegen eine Minorität die Majorität - oder eine andere Minoriät - so wird die Eigengruppe als homogener wahrgenommen (Simon & Brown 1987).

    Positive Distinktheit oder soziale Identität

    Die Frage der eigenen Identität bezieht sich häufig auf Gruppenbindungen (z. B. auf die Frage "Wer bist du?" könnte die Antwort kommen: "Ich bin Fan des BVB").

    Der Mensch sucht nach Wegen, die Eigengruppe in günstiger Weise von Fremdgruppen zu unterscheiden. Tajfel nennt dies die "Herstellung positiver Distinktheit".

    Sprache als soziale Identität

    Soziale Identität kann durch Sprache direkt ausgedrückt werden. Sie ist das primäre Mittel der Kommunikation mit Fremdgruppen.In Abhängigkeit von der Sprache, dem Dialekt oder Akzent, können wir mit Mitgliedern der Fremdgruppe mehr oder weniger effektiv kommunizieren; wir können versuchen, uns zu integrieren oder uns ausschließen. Daher bedeutet Sprache gleichzeitig den Ausdruck und die Vermittlung von Intergruppenverhalten.

    Ethnische Spaltungen in demokratischen Gesellschaften

    -- Leggewie, Claus --

    Konfliktlinien

    Als Konflikt- oder Spaltungslinie bezeichnet man Polarisierungen, die eine wichtige politische Streitfrage aufwerfen und an denen entlang sich politische "Lager" bilden.

    Anstelle "harter" Sozialstrukturmerkmale sind generell "weichere" Lebensstilorientierungen getreten. Es ist ein Prozess der Relativierung, Kulturalisierung und Subjektivierung der cleavages eingetreten, der kaum zu revidieren ist.

    Gehobener sozialer Status und Bildungsstand können Herkunftskriterien in Vergessenheit geraten lassen, aber auch besonders interessant machen. Insofern gilt für jede "Politik der Anerkennung" (Taylor 1993), die kollektive Rechte für sprachkulturelle Minderheiten einschließt, wieder der Grundsatz:
    soviel Autonomie wie möglich, soviel Integration wie nötig (vgl. Leggewie 1993)

    Ethnos-Definition:

    Ethnos ist eine ambivalente, empirisch und theoretisch gehaltvolle Unterscheidungskategorie mit erheblichen politischen (konstruktiven wie destruktiven) Mobilisierungspotenzen.

    Erlebnisgesellschaft

    -- Funke, Harald --

    Strukturwandelbeispiel:

    Das schrägste Beispiel dazu stammt aus Dortmund-Huckarde, wo eine ehemalige Kokerei mit einer "Nacktbegehung" zu bewundern war.

    Begriffe wie "Industrie- oder Arbeitsgesellschaft" werden zunehmend unzutreffend. Aus Industrieraum wird Freizeitraum. Der Begriff "Kultur" löst den Begriff "Arbeit" ab. "Erlebnis" wird als dominierender Begriff herangezogen. Aber bringt die Kategorie "Erlebnis" wirklich das "Soziale" zurück, so dass man von einer "Erlebnisgesellschaft" sprechen kann?

    Von Klassen und Schichten zu Lebensstilen?

    Die Krawatte um den Hals eines Arbeiters kniff nicht nur wegen der fehlenden Gewöhnung, sondern vor allem, weil damit eine Stellung in der Hierarchie behauptet wurde, die ihm nicht zukam. Er bewegte sich in seinem Anzug möglicherweise "linkisch" und kam sich unter "feinen Leuten" deplaziert vor. Ebenso konnte sich ein Angestellter etwas auf seine Aussprache zugutehalten, die sich vom "Slang" des Arbeiters unterschied. Der Angestellte, der seinen Anzug ängstlich sauber hielt, konnte allerdings bei entsprechender Gelegenheit mühelos von einem Angehörigen der feineren Leute eingeschüchtert werden, nicht etwa durch Vergleich der Kontoauszüge, sondern durch ein versiertes Gespräch über Kunst, Musik oder auch Lieblingsspeisen. Jeder schien zu wissen, wo sein Platz war, falls nicht, wurde ihm entsprechende Verachtung zuteil.
    Der Anstieg des Realeinkommens und der Vermögensausstattung breiter Schichten der Bevölkerung, die Zunahme arbeitsfreier Zeit, die Expansion von Bildungsgraden und viele andere sozialstrukturelle Entwicklungen lassen das Panorama einer "Überflußgesellschaft" entstehen, in der die Möglichkeitsspielräume individuellen Handelns eklatant erweitert sind. Gehört man nicht gerade einer "Problemgruppe" an (Wohnungslose, Dauerarbeitslose, Drogenabhängige, Asylbewerber, Anstaltsinsassen, ect.), so scheinen soziale Unterschiede nicht mehr ohne weiteres erkennbar zu sein.

    Der Lebensstil:

    Die Soziologie hat auf diese "lebensweltlichen" Veränderungen reagiert und im letzten Jahrzehnt ein zunehmend differenzierteres Instrumentarium entwickelt, Lebensstile als Form nach-traditionaler, eben nicht mehr an Klassen und Schichten gebundener, Vergesellschaftung zu beschreiben. Umstritten ist dabei das Verhätnis von Lebensstil und nach wie vor bestehender sozialer Ungleichheit.

    Erlebnisrationalität

    In Zeiten gesellschaftlicher Armut ist es rational, Handeln auf das eigene Überleben hin zu orientieren. Man ißt, um satt zu werden, kleidet sich, um vor Kälte geschützt zu sein, heiratet möglicherweise, um versorgt zu werden, der Körper dient zur Arbeit, Fortpflanzung oder Kampf. Die Ziele des Handelns liegen darin, jene Mittel zu erwerben, die das eigene Fortdauern sichern.
    Hat man alle dazu nötigen Mittel zur freien Verfügung, ändert sich der Typus der Rationalität. Der Handelnde ist in Zeiten materiellen Überflusses in die Lage versetzt, zwischen mehreren Möglichkeiten wählen zu können. Dazu muß er wissen, was er will. Das Kriterium der Wahl ist dabei in der heutigen Gesellschaft der Erlebniswert eines Produktes. Man geht in ein bestimmtes Restaurant, um sein Essen zu genießen oder weil man es gemütlich findet. Kleidung erfüllt den Zweck, sich darin wohl zu fühlen oder genügt ästhetischen Ansprüchen. Auch die dauerhafte Partnerschaft dient nicht Versorgungsbedürfnissen, sondern will erlebt sein. Auf Langeweile folgt schnell die Trennung. Der eigene Körper, sogar das Leben selbst, will "erlebt" werden. Der Nutzen einer Wahl bestimmt sich durch die innere Wirkung, die diese hervorruft. Die Ziele des Handelns liegen also darin, inneres Erleben des handelnden Subjekts zu evozieren.

    Die Ordnung der sozialen Erlebnisgesellschaft

  • Niveaumilieu
  • Harmoniemilieu
  • Integrationsmilieu
  • Selbstverwirklichungsmilieu
  • Unterhaltungsmilieu
  • Freizeitsoziologie

    Horst Opaschowski spricht von den neunziger Jahren als dem "Jahrzehnt des E-Menschen (des "Erlebniskonsumenten"):

    Theorie des Wertewandels

    "In der entwickelten Industriegesellschaft ist also das Güterangebot weit über das Existenzminimum hinaus gestiegen, während die Nachfrage zurückgegangen ist. Folglich spielt die Wirtschaft in der entwickelten Industriegesellschaft zwar immer noch eine wichtige Rolle, aber sie ist nicht mehr der entscheidende Faktor."
    (Inglehardt 1995: 498 / 499)

    Markt- und Wahlforschung

    Das Erforschen sich wandelnder Werte, Einstellungen und Mentalitäten im Alltag liegt im vitalen Interesse der Markt-, Meinungs- und Wahlforschungsinstitute, um den entsprechenden Irrtumsanteil möglichst gering zu halten.

    zentrale These der Erlebnisgesellschaft

    Askese und Erlebnis(suche)

    Nach Schulze ist Erlebnissuche tendenziell unabschließbar und potenziert lediglich das gefürchtete Gefühl innerer Leere und Abhängigkeit.

    Bordieus Kapitalbegriffe

  • ökonomisches Kapital
  • soziales Kapital
  • kulturelles Kapital:
  • Erlebnisqualität der Gewalt

    Gewalttätigkeit kann durchaus zum Bestandteil eines gewählten Lebensstils auch marginalisierter Jugendlicher werden. Nicht umsonst wird versucht, der Gewaltbereitschaft von "Problemgruppen" mit sogenannter "Erlebnispädagogik" zu begegnen, um andere Wege der Selbststilisierung aufzuzeigen. Gewalt kann durchaus ein Weg sein, das von Schulze beschriebene Projekt "Erlebe dein Leben" zu verfolgen. Erlebnisorientierung zieht sich wohl durch alle Schichten und ist unabhängig von einer materiellen "Basis". Sie ist somit aber auch nicht, wie bei Bourdieu, einem bestimmten Milieu bzw. einer Klassenfraktion zuzuordnen. Somit kann Erlebnisorientierung eher ein Knappheits- als ein Überflußphänomen darstellen.

    Kollektive Mobilisierung

    -- Schimank, Ulrich --

    Wenn immer wieder nur einer der Partyrunde versucht, ein Gespräch in Gang zu bringen, und die anderen nicht darauf eingehen, wird es keines geben; und wenn eine soziale Bewegung, die bestimmte Gesetze oder eine Regierung zu Fall bringen will, zu wenig engagierte Anhänger gewinnt, wird sie erfolglos bleiben. Es geht bei kollektiver Mobilisierung wohlgemerkt um Handeln, nicht bloß um entsprechende Einstellungen. Ein diktatorischer Herrscher wird nicht schon dadurch gestürzt, dass alle Untertanen ihn im Geiste ablehnen.

    Es geht bei kollektiver Mobilisierung um Fragen des Anfangs und der Fortführung von Dynamiken der Abweichungsdämpfung und -verstärkung. Bei den Analysen kollektiven politischen Handelns stehen eher Dynamiken der Abweichungsverstärkung im Vorderund. Es wird gefragt, unter welchen Bedingungen sich die Kräfte des Wandels zu sammeln und durchzusetzen vermögen.

    Mancur Olsons gewerkschaftliches Prisoner's Dilemma

    Mancur Olsons Mobilisierungsnutzen

    Mobilisierungsnutzen steigt mit zunehmender Zahl mobilisierter Akteure.

    Dies geht allerdings nicht unbegrenzt so weiter. Irgendwann reicht die Kampfstärke der Gewerkschaft aus, so hohe Löhne und so gute Arbeitsbedingungen durchzustetzen, dass auch bei noch weitergehender Mobilisierung keine zusätzliche Verbesserung mehr erreicht werden kann.

    Ähnlich verlaufen auch die Dynamiken der Abweichungsdämpfung bei der Ahndung von Normverstößen:

    Anders sieht es aus, wenn der Mobilisierungsertrag gleich von Beginn proportional zur Anzahl der Mobilisierten steigt oder aber für die ersten Akteure auf einem hohen Niveau startet, um dann nachher langsamer zuzunehmen.

    Könnte aber auch so sein, dass der Mobilisierungsnutzen so verläuft, dass dieser mit zunehmender Anzahl der mobilisierten Akteure abnimmt (Beispiel: Doping im Sport).

    Oder aber dass der Nutzen in der Mitte seines Verlaufes einen Sättigungsgrad erreicht und bei weiter zunehmenden Akteuren dieser Mobilisierungsnutzen sinkt (Beispiel: Ansiedler).

    Mobilisierungskosten

    Mobilisierungskosten sinken mit zunehmender Zahl mobilisierter Akteure.

    Ein Beispiel:
    Hunderttausende Protestierende lassen sich nicht ins Gefängnis werfen; und selbst bei willkürlichen Verhaftungen weniger, ist die Wahrscheinlichkeit für jeden einzelnen, dass es gerade ihn trifft, gering. Dass die Mobilisierungskosten mit zunehmender Anzahl Mobilisierter sinken, während der Mobilisierungsnutzen gleichzeitig steigt, erklärt, warum sich etwa beim Umsturz in der ehemaligen DDR die Mobilisierungsdynamik ab einem bestimmten Punkt sprunghaft beschleunigte.

    Nexus von Mobilisierungsnutzen und -kosten

    Beispiel: Die Bewohner eines Stadtviertels schließen sich zu einer Initiative gegen Fluglärm zusammen. Es muss eine kritische Masse an Mobilisierten erreicht werden, um auf die politischen Entscheidungsträger Druck auszuüben. Wer von den Bewohnern sich aber im einzelnen mobilisieren läßt und wer passiv bleibt, ist dafür egal. Nicht egal ist aber, ob sich derjenige Bewohner, der ein herausragendes rhetorisches Talent und Verhandlungsgeschick besitzt. engagiert oder nicht. Mit ihm kann die ganze Sache stehen und fallen. Ebenfalls wichtig ist vielleicht auch, ob der im Viertel ansässige Druckereibesitzer mitmacht oder nicht, weil die Möglichkeit, Flugblätter zu einem erschwinglichen Preis herzustellen, davon abhängen mag. Solche schwer oder gar nicht ersetzbaren Akteure bestimmen den Mobilisierungsnutzen auf doppelte Weise: Werden sie nicht mobilisiert, sinkt die Chance, den Mobilisierungsnutzen zu realisieren, drastisch, im Extremfall auf Null; und dies wissend werden viele andere Akteure die eigene Entscheidung, sich mobilisieren zu lassen, von der Entscheidung dieser Schlüsselfiguren abhängig machen.

    Nicht-instrumentelle eigene Handlungsantriebe

    Die Akteure treten rational nutzenorientiert auf und als Nutzen dabei sehen sie allein den Endutzen der jeweiligen Strukturdynamik der nur für den betreffenden Akteuer selbst zählt.

    Wo kommt Olsons Prisoner's Dilemma nicht zum Tragen?

    Analyse von 6 Handlungsantrieben für Mobilisierung

  • konsumatorischer Eigennutz:
    in-process-benefits, z. B. Engagement in Bürgerinitiativen, Hüter des korrekten Sprachgebrauchs, etc.
  • altruistische instrumenentelle Nutzungsorientierung:
    altruistisch ist das absolute Gegenteil von egoistisch, Handlungsorientierung ausschließlich zum "Gemeinwohl".
  • normorientierter Eigennutz:
    everyday-Kantians (nach John Elster), handeln die Individuen nach dem kategorischen Imperativ von Imanuel Kant.
  • Identitätsbehauptung als Nutzenorientierung:
    Beispiel: Gewissenstäter
  • emotionale Handlungsantriebe:
    als Initialzündung für kollektive Mobilisierung (allgemeine Empörung, chronische-emotionale Gestimmtheiten, ect.)
  • Imitation als Handlungsantrieb:
    mass-participationists beruht (nach John Elster) auf Nachahmung, z. B. um sich nicht unbeliebt zu machen
  • Schlußfolgerung der kollektiven Mobilisierung

    Die Mobilisierung bleibt primär Beobachtungskonstellationen unterworfen, weil die allermeisten Akteure ihr Handeln daran ausrichten, was sie als Handeln der anderen wahrnehmen, ohne Einfluß auszuüben oder miteinander zu verhandeln, doch in das, was sich aus wechselseitiger Beobachtung ergibt, wirken gezielte Beeinflussungen durch Macht oder Geld oder andere generalisierte Einflußpotentiale hinein.
    In manchen Ländern zwingt beispielsweise der Staat die Arbeitnehmer, Gewerkschaftsmitglieder zu werden. Anderswo sind Gewerkschaften verboten, was die kollektive Mobilisierung mit einem hohen Kostenfaktor versieht.

    Revolution

    -- Anthony Giddens --

    Definitionen:

  • Eine Revolution setzt die Androhung oder Anwendung von Gewalt seitens der Teilnehmer der Massenbewegung voraus. Revolutionen sind politische Veränderungen, die gegen den Widerstand der bestehenden Führung durchgesetzt werden, wobei letztere nur durch die Androhung oder tatsächliche Anwendung von Gewalt dazu gebracht werden kann, auf ihren Machtanspruch zu verzichten
  • Eine Revolution führt zu bedeutenden Reformen oder Wandlungsprozessen
  • Eine Revolution ist eine soziale Massenbewegung

    Die Oktoberrevolution war in mancherlei Hinsicht ungewöhnlich. Die Aufstände, die den Anfang vom Ende der zaristischen Regimes bedeuteten, waren spontanter und großflächiger als in den meisten anderen Revolutionen des 20. Jahrhunderts. Anfang 1917 ahnten selbst die Bolschewiken nicht, dass innerhalb so kurzer Zeit ein erfolgreiche Revolution über die Bühne gehen würde. Doch der Fall Rußlands birgt einige allgemeine Lektionen über moderne Revolutionen in sich.

    Betrachten wir drei Theorien der Revolutionen:

    Warum kommt es zu Revolutionen?

    Davies Auffassung nach macht ständige Armut und Entbehrung den Menschen noch nicht reif zur Revolution, so wie es Marx unterstellt, sondern werden eher mit Resignation oder mit stummer Verzweiflung erduldet. Erst wenn sich die Lebensbedingungen verbessern, kann es nach Davies Theorie zu einer Revolution kommen:

    Davies Theorie trägt zum Verständnis des Zusammenhangs zwischen der Revolution und der modernen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung bei. Der Einfluß von Fortschrittsidealen läßt gemeinsam mit den Hoffnungen auf ein Wirtschaftswachstum die Erwartungen steigen, die, wenn sie enttäuscht werden, Proteste auslösen. Solche Proteste werden durch die Verbreitung von Idealen der Gleichheit und der demokratischen Mitbestimmung zusätzlich intensiviert.

    Protesttheorie

    Tilly unterscheidet in From Mobilization to Revolution 4 Komponenten für eine weitergefaßte Interpretation von Protest und Gewalt:
  • Gruppenorganisation (von losen Ansammlungen bis straff organisierten revolutionären Gruppen)
  • Mobilisierung von Gruppenressourcen (insbesondere Logistik)
  • gemeinsames Gruppeninteresse
  • gemeinsame Gelegenheit zur Gruppenaggitation
  • soziale Bewegungen

    -- Anthony Giddens --

    Klassifizierung sozialer Bewegungen

  • Transformationsbewegungen: verfolgen langfristig Veränderung der Gesellschaft
  • Reformbewegungen: enger gesteckte Ziele, die sich auf Änderung bestimmter Aspekte der Gesellschaftsordnung ausrichten
  • Erlösungsbewegungen: möchten Menschen von Wegen abbringen, die als Verderben bringend angesehen werden
  • alternative Bewegungen: haben teilweise Veränderungen der Individuen sich zum Ziel gesetzt
  • feministische Bewegungen: verfolgen langfristig Veränderung der Gesellschaft
  • Korporative Akteure

    -- Ulrich Schimank --

    Diese Definition unterscheidet korporative Akteure von kollektiven Akteuren, die auch ohne bindende Vereinbarungen auskommen. Folgende korporative Akteure lassen sich unterscheiden:

  • Koalitionen
  • Formale Organisationen:

  • Die Lernende Organisation

    -- Chris Argyris / Donald A. Schön --

    Das allgemeine Schema für das organisationale Lernen schließt einen gewissen Informationsgehalt ein, ein Lernergebnis, sodann einen Lernprozess, der darin besteht, Informationen zu erwerben, zu verarbeiten und zu speichern, und schließlich einen Lernenden, dem der Lernprozess zugeschrieben wird.

    instrumentelles Lernen

    ist eine von Wirtschaftlern bevorzugte Art des organisationalen Lernens, das in ihren "Lernkurven" impliziert ist, die aus dem Industrial Engineering kommen.

    individuelles und organisatoniales Lernen

    Organisationen die Fähigkeit zu lernen zuzusprechen, erschien vielen Wissenschaftler Anfang der 70iger Jahre suspekt zu sein. Um zu verstehen, dass Organisationen jedoch lernen können, kommen zwei wichtige Strategien ins Spiel:

    Organisationen als Gesamtheiten

    Organisationen, also aus Individuen bestehende Gesamtheiten, lernen etwas, wenn ihre einzelnen Mitglieder oder ein wesentlicher Teil davon es lernen.

    Das ist nicht immer richtig, weil in vielen Fällen, wenn das Wissen einzelner nicht in den Strom eindeutig organisationalen Denkens und Handelns einfließt, wissen Organisationen weniger als ihre Mitglieder. Z. B. könnnen die Sozialeinrichtungen immer noch nach Kategorien wie "Alleinerziehend", "mißbrauchte Kinder" oder "zerrütete Familien" vorgehen, obwohl die Sozialarbeiter der Behörde genau wissen, dass diese Kategorien den entscheidenden Kriterien für die Menschen, die sie betreuen, nicht mehr genügen. In einigen Fällen kann eine Organisation offenbar nicht das lernen, was alle ihre Mitglieder wissen.
    Umgekehrt gibt es Situationen, in denen eine Organisation weit mehr zu wissen scheint als ihre Mitglieder. Strukturen, Verfahren und Erinnerungen, die in das System einer Organisation wie etwa der Armee oder eines Telefonunternehmens eingebaut sind, ermöglichen einer Organisation u. U. zumindest vorübergehend hervorragende Leistungen, auch wenn ihre einzelnen Mitglieder offenbar alles andere als hervorragend sind.

    Organisationales Handeln

    Das organisationale Handeln läßt sich nicht auf das Handeln einzelner reduzieren, nicht einmal auf das aller Einzelpersonen, aus denen die Organisation besteht, aber es gibt dennoch kein organisationales Handeln ohne individuelles Handeln.

    Sobald Mitglieder eine Gesamtheit Regeln aufstellen, also konstitutionell und dadurch zu einer polis werden, haben sie sich organisiert.

    ephemere Organisation: sind kurzlebige informelle Organisationen. Sie können spontan als Reaktion auf eine Krise entstehen und bestehen eine Zeit lang als kooperative Systeme.

    organisationale Untersuchung

    Definition des Begriffs Untersuchung nach John Dewey:

    Definition des Begriffs Zweifel nach John Dewey:

    Untersuchungen werden erst dann organisational, wenn sie von Personen durchgeführt werden, die gemäß der geltenden Rollen und Regeln als Vertreter einer Organisation fungieren.

    Organisationales Wissen

    Möglichkeit 1: Organisationen fungieren auf verschiedene Arten als Bestandsumfelder für Wissen, einschließlich des Wissens, das durch die organisationale Untersuchung erlangt wird. Dieses Wissen kann im Kopf einzelner Mitglieder gespeichert sein (implizites Wissen).

    Möglichkeit 2: Organisationen stellen Wissen direkt dar (explizites Wissen) in dem Sinne, dass sie Strategien zur Durchführung schwieriger Aufgaben verkörpern, die auch anders hätten ausgeführt werden können.

    Aktionstheorie

  • espoused Theory (vertretene Theorie)
  • theory-in-use (handlungsleitende Theorie)

  • Beide zusammen machen die instrumentale handlungsleitende Theorie der Organisation aus.

    Zu klärende Fragen: