[Webbased Lesson / Online-Live-Unterricht]

Literatur zum Thema Geschlechterforschung:

Lenz, Ilse und Luig, Ute (1995)

Lenz, Ilse (1995)

Construction of Gender

Aus den zwanziger und dreissiger Jahren des vorherigen Jahrhunders datieren die ersten Untersuchungen, die sich auf verschiedenen Kontinenten mit dem Lebenszusammenhang von Frauen und ihrem Selbstverständnis auseinandersetzten. Berühmtheit erlangten die Arbeiten von Margaret Mead, die in eindrucksvollen Bildern die Vielfalt und Gegensätzlichkeit von Frauenrollen im Pazifik erfaßte. Mead gehörte zu den Pionierinnen einer Frauenforschung, die die Rolle von Frauen nicht auf biologische, sondern auf kulturelle Faktoren zurückführt. Das, was wir heute als "kulturelle Konstruktion des Geschlechts" (cultural construction of gender) bezeichnen, hatte sie in ihrer vergleichende Studie über Geschlechtsidentitäten in Neuguinea zum ersten Mal beschrieben.

Macht und Geschlecht

Alice Schlegel interviewt Mitte der 60er Jahre Frauen in den Hopi-Reservaten und merkt an: "They never said I have to ask my husband." (vgl. Leacock 1980, S. 1 - 11; persönliche Mitteilung von Alice Schlegel)

Die deutsche Frauenbewegung und der Antirassismus

-- Lenz, Ilse --

Zwischen Struktur- und Kulturansatz: zur dreifachen Unterdrückung nach "Rasse", Klasse und Geschlecht

Aus der Kritik an der Mehrheitsgesellschaft und die rassistischen Verhältnisse in der amerkanischen Frauenbewegung entstanden die women of color und die Asian women of color, die Wahrnehmung und Verhaltensweisen zwischen weißen und schwarzen Frauen thematisierten. Die Asian women of color behaupteten darüber hinaus auch eine gemeinsame asiatische Identität.

Zentrale Themen jedoch bezogen sich beispielsweise auf die Frage, ob weiße Frauen wegen einer gemeinsamen Betroffenheit "als Frau" für schwarze Frauen sprechen konnten. Die weißen Frauen behaupteten offenkundig eine Definitionsmacht für alle Frauen, während sie die schwarzen Frauen nicht zu Wort kommen ließen, sie entmündigten.

Die deutsche feminstische Antrirassismus-Debatte: Zwischen Bewußtwerdung und Blockade

Kritik der Dominanzkultur von Birgit Rommelspacher:

Die feministische Antirassismus-Debatte in Deutschland tendiert zur Dekontextualisierung: Rassismus erscheint leicht als eine überzeitliche und -örtliche Ideologie in der Moderne. Alltäglich wird z. B. angenommen, die Begriffe "weiße Frauen" und "schwarze Frauen" meinten überall das Gleiche - ob in den USA, Deutschland oder Südafrika.

Die Bedeutung des politischen Handelns wird gemessen an korrekter Befolgung von Normen im "Privaten". Die Ausweitung des Verständnisses von Rassismus hat dazu geführt, dass es kaum mehr Unterscheidungen von Verhaltensweisen erlaubt.

Ignoranz fremder Kulturen bedeutet nicht gleich Rassismus, sondern Ethnozentrismus:

Vom Dualismus zur Differenzierung

Standards der Frauen- und Ethizitätsforschung:

    Geschlechterverhältnisse oder Ethnizität sind nicht natürlich vorgegeben, sondern sie werden in sozialen Verhältnissen geschaffen und können Herrschaft abstützen.
    Kontextualisierung der Begriffe "Ethnizität" und "Rasse"
    Subjektivität der Akteure kollektiver Determinierungen wie Geschlecht oder Ethnie
    klassenspezifische Prägung der Geschlechterverhältnisse und der ethnischen Prozesse

Zum Verhältnis von Geschlecht und Ethnizität in postindustriellen Gesellschaften

Vertieft werden die Parallelen Geschlecht / Ethnizität zum Arbeitsmarkt durch dualistische Denkformen, in denen die Frauen als "die Anderen" zu den Männern, die "AusländerInnen" als die Anderen zu den Einheimischen erscheinen.

Die dreifache Vergesellschaftung:

    1. Stufe: Familie / Haushalt
    2. Stufe: Arbeitskraft im kapitalistischen Arbeitsmarkt
    3. Stufe: Vergesellschaftung in den modernen Nationalstaat

Carol Pateman's neopatriarchalischen Implikationen:

Bei ausländischen Frauen bedeutet die alleinige Orientierung auf die Familie statt Schutz eine Verunsicherung: Denn aus der Ehe und Familienarbeit z. B. Versorgung der Kinder, leitet sich kein eigenständiges Aufenthaltsrecht ab. Dies ergibt sich erst aus eigener Lohnarbeit. Bei ausländischen Frauen kann also in Deutschland die Vergesellschaftung in die Familie zum Moment der Diskriminierung und Ausgrenzung werden (vgl. Kang 1990).

Feine und große Unterschiede oder zur kulturellen Demarkierung

Die Sozialstruktur moderner Gesellschaften kann als ein Gesamtzusammenhang ungleicher Positionen gesehen werden, die von Individuen (und nicht Ständen oder Gruppen) eingenommen werden; mit diesen Positionen verbindet sich ein ungleicher Zugang zu

Die Reproduktion sozialer Ungleichheit entlang von Klassenlinien:

Individuen stützen sich auf klassenvermittelte Ressourcen ihres Elternhauses, vor allem auf informelles und kulturelles Wissen neben der formalen Ausbildung (kulturelles Kapital) oder auf soziale Beziehungen durch betriebliche oder verwandtschaftliche bzw. freundschaftliche Verbindungen (soziales Kapital).

Gleichheit ist nicht nur eine Frage des Ausgleichs zwischen Gruppen, sondern auch der Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten von unterschiedlichen Individuen, von Frauen und Männern aus verschiedenen Klassen und Ethnien.

Zu klärende Fragen: