
(Geschlechterverhältnisse in nichtpatriarchalen Gesellschaften)
Seiten: 11, 27
Zum Verhältnis von Geschlecht und Ethnizität zu Zeiten der Globalisierung"
(Wechselnde Blicke, Frauenforschung in internationaler Perspektive, Hg: Lenz und Germer, Leske u. Budrich Verlag)
Seiten: 219 bis 233
Aus der Kritik an der Mehrheitsgesellschaft und die rassistischen Verhältnisse in der amerkanischen Frauenbewegung entstanden die women of color und die Asian women of color, die Wahrnehmung und Verhaltensweisen zwischen weißen und schwarzen Frauen thematisierten. Die Asian women of color behaupteten darüber hinaus auch eine gemeinsame asiatische Identität.
Zentrale Themen jedoch bezogen sich beispielsweise auf die Frage, ob weiße Frauen wegen einer gemeinsamen Betroffenheit "als Frau" für schwarze Frauen sprechen konnten. Die weißen Frauen behaupteten offenkundig eine Definitionsmacht für alle Frauen, während sie die schwarzen Frauen nicht zu Wort kommen ließen, sie entmündigten.
Die feministische Antirassismus-Debatte in Deutschland tendiert zur Dekontextualisierung: Rassismus erscheint leicht als eine überzeitliche und -örtliche Ideologie in der Moderne. Alltäglich wird z. B. angenommen, die Begriffe "weiße Frauen" und "schwarze Frauen" meinten überall das Gleiche - ob in den USA, Deutschland oder Südafrika.
Die Bedeutung des politischen Handelns wird gemessen an korrekter Befolgung von Normen im "Privaten". Die Ausweitung des Verständnisses von Rassismus hat dazu geführt, dass es kaum mehr Unterscheidungen von Verhaltensweisen erlaubt.
Ignoranz fremder Kulturen bedeutet nicht gleich Rassismus, sondern Ethnozentrismus:
Standards der Frauen- und Ethizitätsforschung:
Die dreifache Vergesellschaftung:
Carol Pateman's neopatriarchalischen Implikationen:
Bei ausländischen Frauen bedeutet die alleinige Orientierung auf die Familie statt Schutz eine Verunsicherung: Denn aus der Ehe und Familienarbeit z. B. Versorgung der Kinder, leitet sich kein eigenständiges Aufenthaltsrecht ab. Dies ergibt sich erst aus eigener Lohnarbeit. Bei ausländischen Frauen kann also in Deutschland die Vergesellschaftung in die Familie zum Moment der Diskriminierung und Ausgrenzung werden (vgl. Kang 1990).
Individuen stützen sich auf klassenvermittelte Ressourcen ihres Elternhauses, vor allem auf informelles und kulturelles Wissen neben der formalen Ausbildung (kulturelles Kapital) oder auf soziale Beziehungen durch betriebliche oder verwandtschaftliche bzw. freundschaftliche Verbindungen (soziales Kapital).
Gleichheit ist nicht nur eine Frage des Ausgleichs zwischen Gruppen, sondern auch der Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten von unterschiedlichen Individuen, von Frauen und Männern aus verschiedenen Klassen und Ethnien.
Zu klärende Fragen:
- Welche Denkvorstellungen und theoretischen Schulen dominieren?
Macht und Geschlecht
Alice Schlegel interviewt Mitte der 60er Jahre Frauen in den Hopi-Reservaten und merkt an: "They never said I have to ask my husband." (vgl. Leacock 1980, S. 1 - 11; persönliche Mitteilung von Alice Schlegel)Die deutsche Frauenbewegung und der Antirassismus
Gegenwärtig wird manchmal behauptet, dass die neue Frauenbewegung in Deutschland rassistisch gewesen sei, weil sie die Lage der schwarzen Frauen und der Migrantinnen nicht wahrgenommen habe. Dabei wird übersehen, dass gerade in den 1970er Jahren angenommen wurde, dass die Frauen in einem globalen Patriarchat als Opfer gleich unterdrückt seien, und die Lage von Frauen in der "Dritten Welt" immer wieder thematisiert wurde.
Die neue Frauenbewegung in der Bundesrepublik hatte von Anfang an einen internatioalen Ansatz, der aber in seinem globalen Geschlechtsdualismus dazu tendierte, die Erfahrungen der Frauen "anderer" Klassen und Kulturen auszublenden und unterzuordnen.
Zwischen Struktur- und Kulturansatz: zur dreifachen Unterdrückung nach "Rasse", Klasse und Geschlecht
Frauen, Schwarze und Arbeiter erscheinen als gleichermaßen unterdrückt; in dieser Logik addieren sich die Unterordnungen, was etwa in der Rede von der dreifach unterdrückten schwarzen Frau deutlich wird.
Unter dem Einfluß von antikolonialen Intellektuellen und der black power Bewegung erhielt "Schwarz" eine neue Bedeutung im Zusammenhang mit der Kritik an rassistischen Herrschaftsstrukturen der Weißen über Schwarze (...) "Schwarz" wurde ein Symbol des Widerstands, des Stolzes und der Gegenmacht.Die klassische Kulturanthropologie (z. B. Chicagoer Schule) verstand Kultur als ganzheitliche und konsistente Einheit, die als Ordnungsmuster eine Gruppe prägt; doch zeigte sie auch Offenheit und Interesse für kulturelle Mischformen (Synkretismus) oder Synthesen.
Die deutsche feminstische Antrirassismus-Debatte: Zwischen Bewußtwerdung und Blockade
Kritik der Dominanzkultur von Birgit Rommelspacher:Das Leben in einer Dominanzkultur bedeutet für sie die Internalisierung meist unbewußter Strategien, das Bemühen, die Privilegien und die eigene Vormachtsstellung zu erhalten und auszubauen mithilfe ständiger Normierungen entsprechend der hier herrschenden kulturellen Normen in allen Bereichen des Lebens. Weil sie Dominanzkultur als breit verankerte Erscheinung begreift, überwindet sie einen ethnisch begrenzten Kulturbegriff und verbindet die Kritik an Sexismus und Rassismus wieder mit genereller Herrschaftskritik. Dieser Ansatz wurde fruchtbar umgesetzt, um die subjektiven Interessen von Frauen und Männern an verschiedenen Formen des Rassismus zu verstehen (vgl. Rommelspacher 1995).
Rassismus ist erst gegeben, wenn daraus die Überlegenheit der eigenen Gruppe oder Person oder der eigenen Ansichten hergeleitet und in einem Machtverhältnis durchgesetzt wird.
Vom Dualismus zur Differenzierung
Wir sollten (aber) nicht nur das Geschlecht, sondern auch "Ethnie" und auf alle Fälle "Rasse" als sozial geschaffen begreifen. Sie erscheinen als soziale Konstruktion der Wirklichkeit, mit der diese nach Unterschieden geordnet wird (...) Zentral sind nicht die Differenzen, sondern die Hierarchien, die ihre Legitimation darauf stützen.
Geschlechterverhältnisse oder Ethnizität sind nicht natürlich vorgegeben, sondern sie werden in sozialen Verhältnissen geschaffen und können Herrschaft abstützen.
Kontextualisierung der Begriffe "Ethnizität" und "Rasse"
Subjektivität der Akteure kollektiver Determinierungen wie Geschlecht oder Ethnie
klassenspezifische Prägung der Geschlechterverhältnisse und der ethnischen Prozesse
Zum Verhältnis von Geschlecht und Ethnizität in postindustriellen Gesellschaften
Vertieft werden die Parallelen Geschlecht / Ethnizität zum Arbeitsmarkt durch dualistische Denkformen, in denen die Frauen als "die Anderen" zu den Männern, die "AusländerInnen" als die Anderen zu den Einheimischen erscheinen.1. Stufe: Familie / Haushalt
2. Stufe: Arbeitskraft im kapitalistischen Arbeitsmarkt
3. Stufe: Vergesellschaftung in den modernen Nationalstaat
Zu dem freien Bürger als Individuum gehört aufgrund eines vorgängigen Ehekontraktes eine abhängige Hausfrau, der der Privatbereich zugeschrieben wurde (vgl. 1989). U. a. deswegen blieben politische Partizipationschancen von Frauen auch nach der Erkämpfung des Wahlrechts gering: Einerseits müssen sie ihren politischen Weg aus einem weiterhin als privat markierten Bereich einschlagen, andererseits entsprechen sie nicht dem androzentrischen politischen Individuum, werden als Andere oder Fremde marginalisiert.
Individuelles Handeln wird von sozialstrukturellen Faktoren beeinflußt, aber es ist nicht davon abzuleiten. Als Arbeitshypothese würde ich vorschlagen, dass Subjekte "konfigurative Handlungsstrategien" verfolgen, d. h. dass sie einzelne Elemente der Geschlechtsrollen, ihres ethnischen Hintergrunds usw. auswählen, kombinieren oder aber herunterspielen und vermeiden. Besonders wichtig sind die Berechnungen, die sich potentiell zwischen den verschiedenen Bezügen bei diesem "konfigurativen Handeln" ergeben können (...) Gruppen verschiedener Herkunft reagieren keineswegs nur mit dem ethnischen Paradigma auf die Globalisierung, sondern auch mit neuen kulturellen und sozialen Synthesen.
Feine und große Unterschiede oder zur kulturellen Demarkierung
Die Sozialstruktur moderner Gesellschaften kann als ein Gesamtzusammenhang ungleicher Positionen gesehen werden, die von Individuen (und nicht Ständen oder Gruppen) eingenommen werden; mit diesen Positionen verbindet sich ein ungleicher Zugang zu
Die Reproduktion sozialer Ungleichheit entlang von Klassenlinien:Ressourcen (Einkommen, Bildung und Qualifikation)
Macht, d. h. sowohl unterschiedliche Entscheidungsmöglichkeiten über andere als auch verschiedene Grade von Autonomie, d. h. der Selbstbestimmung oder Fremdbestimmung
Während z. b. Bürgertochter und Arbeitersohn die Konkurrenz um mittlere Stellen, die beiden aufgrund ihrer Ausbildung zuständen, über "feine Unterschiede" austragen, wirkt sich die kulturelle Demarkierung in einem tendenziellen Ausschluß der MigrantInnenkinder von beruflicher Bildung und Perspektiven aus.
Auch ein postmoderner Diskurs des kulturellen Pluralismus wird Armut, Gewalt und Marginalisierung nicht aufheben. Es ginge darum, den Dualismus zwischen Gleichheit als Anpassung oder Pluralismus als unverbundene Differenzen zu durchbrechen. Dies wird möglich durch ein Konzept von Gleichheit, das kulturelle Unterschiede nicht als einen Grund zum Ausschluß betrachtet, sondern abstimmt auf eine Konvergenz in der Frage, wie individuelle und Gruppenrechte auf Freiheit, Gleichheit und Würde zu erfüllen sind.
- Wie wird das Thema Zeit in den anderen Wissenschaften behandelt?