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Tetris als Therapie in der PTBS-Therapie

Am Institut für Psychiatrie der Universität Oxford fand ein Experiment mit 39 Probanden statt. Dort erprobte die Neurowissenschaftlerin Emily A. Holmes die Wirkung vom Computerspiel Tetris an ihren Probanden unter besonderen Bedingungen. Sie ließ ihre Probanden brutalste Videos aus dem Realen Leben vorspielen. Videos, wie sie die Feuerwehr oder die Polizei bei schweren Einsätzen aufnimmt, hatten die Probanden zu ertragen und wurden anschließend in zwei Gruppen geteilt. Eine, die sofort nach diesen entsetzlichen Filmvorführungen Tetris spielten und eine, denen dieses Spiel nach "Genuss" des Films verwehrt blieb.

Holmes behauptete mit ihrem Experiment nachweisen zu können, dass Tetris eine Art kognitive Impfung für Menschen mit PTBS sei, wenn diesen ein solches Spiel nach einer gerade überstandenen Katastrophe zur Verfügung stünde und ihre Hypothese beruht auf zwei wichtigen Annahmen aus der Kognitionswissenschaft:

"(...) 1) cognitiv science suggests that the brain has selective resources with limited capacity; 2) the neurobiology of memory suggests a 6-hr window to disrupt memory consolidation." (vergl. http://www.plosone.org)

1. dass das Gehirn über ausgewählte Ressourcen verfügt für die ein begrenzter Speicherplatz zur Verfügung steht

2. dass die neurobiologischen Abläufe um Erinnerungen zu speichern über ein sechstündiges Zeitfenster verügen, um eine Erinnerungskonsolidierung verhindern oder unterbrechen zu können.

Die Ressourcen, die demnach einen PTBS-Patienten bleiben, um Erinnerungen zu speichern vollziehen sich in einem Zeitraum bis zu sechs Stunden. Wenn, so legt das Experiment nahe, die Probanden Tetris spielten, so waren sie damit beschäftigt geometrische Körper zu drehen und zu wenden, so dass sie in eine Reihe passten. Deshalb blieb ihnen kein oder nur noch wenig Speicherplatz übrig, um die grausigen Bilder der Filmvorführung zu behalten. Ganz im Gegensatz zur Kontrollgruppe des Experiments, welches nicht Tetris spielen durfte.

Die Erkenntnisse und die dementsprechende Anwendung könnte verhindern, dass Flashbacks in Erscheinung treten, denn diese treten bei PTBS-Patienten am häufigsten auf und bieten nur geringe Therapiechancen. Holmes will ihr Experiment nicht schlussfolgern lassen, dass Tetris eine geeignte Therapieform für PTBS-Betroffene darstellt, sondern soll als Schutzmöglichkeit vor Flashbacks gelten (kognitive Impfung).

 

(inspiriert durch einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 3. September 2009, Seite 16 und erhältlich im Archiv der Süddeutschen Zeitung)

 

©2oo9, RASANTHAUS