ãKultur ist ein vom Standpunkt des Menschen aus mit Sinn
und Bedeutung bedachter endlicher Ausschnitt aus der sinnlosen Unendlichkeit
des Weltgeschehens. Sie ist es fŸr den Menschen auch dann, wenn er einer konkreten
Kultur als Todfeind sich entgegenstellt und âRŸckkehr zur NaturÕ verlangtÒ (Max
Weber)
ãKultur ist Reichtum an Problemen.Ò (Egon Friedell)
Wir brauchen unseren Kopf und unsere HŠnde. Wir entwickeln
Ideen mit dem Kopf und entwerfen diese Ideen als Konzepte mit den HŠnden auf
Papier, was wiederum Kapital darstellt. Wir steuern Maschinen (gehšren zum
Produktionsfaktor Kapital) und arbeiten mit Menschen und Werkzeugen zusammen.
All das verlangt von uns physischen, wie psychisch-geistigen Aufwand. Dieser
Aufwand ist ein Faktor, der sich mit dem Boden bereits multiplizieren lie§e. Z.
B. grabe ich mit den HŠnden Kartoffeln aus dem Boden. Das Produkt, das ich
erhalte ist eine Kartoffelsammlung, die ich roh verzehren kšnnte, um Hunger zu
stillen. Appetitvoller wŠren diese beiden Produktionsfaktoren, wenn sie mit
einem weiteren und letzten der gegebenen Produktionsfaktoren multipliziert
werden wŸrden und zwar dem
(nach Forrastier)
Die Wirtschaft und damit die Kultur eines Volkes baut auf
drei Sektoren:
agrarischer Sektor (Landwirtschaft)
Viele LŠnder der Welt erwirtschaften die meisten GŸter im
Ackerbau. Je geringer die Landwirtschaft, desto hšher das ErnŠhrungsproblem.
Der Landwirtschaftsbetrieb ist ein hartes GeschŠft.
Nutztiere mŸssen gepflegt und verwertet werden, LŠndereien mŸssen gepflegt und
gesetzt (erschlossen) werden. Ackerbau und Viehzucht sind die globalen
Oberthemen des landwirtschaftlichen Sektors.
Themen wie Export, Import, Subventionen und internationale
Handelsabkommen bewegen diesen Sektor auf dem Markt.
Forschung und Entwicklung gerade im Bereich der
Gentechnologie sollen den weltweiten Anbau erhšhen.
industrieller Sektor
Die Industrie reicht von der Automobilindustrie bis Ÿber
die Pharmaindustrie hin zur Unterhaltungsindustrie.
Der industrielle Sektor wird im Wesentlichen durch zwei
Aspekte unterschieden:
a) herstellende
Industrie
b) weiterverarbeitende
Industrie
Die Autoindustrie beispielsweise ist eine
weiterverarbeitende Industrie, da sich die Automobilhersteller von ihren
Zuliefererfirmen beliefern lassen und ein Automobil quasi ãnur nochÒ am
Flie§band mithilfe von Mensch und Maschine zusammensetzen.
Dieser Sektor ist nach Fourrastier ein recht ãjungerÒ
Sektor. Im Bezug auf die moderne Dienstleistungsgesellschaft gesehen, mag das
sicherlich zutreffen.
Angesichts jedoch der Tatsache, dass bereits vor der
Industrialisierung Handwerk betrieben wurde, ist es selbstverstŠndlich, dass
diese Branche zu den ersten Dienstleistungen (Service) der
Menschheitsgeschichte zŠhlt.
Zu diesen Dienstleistungen gehšrt auch die Kunst, aber
auch die Medizin, solange wir damit nicht auch auf den Pharmabereich zu
sprechen kommen, der wiederum zum industriellen Sektor gehšrt.
ãWenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der
Mensch noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine BestŠubung mehr,
keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr...Ò (Albert
Einstein)
W (Arbeit) = F (Kraft) * s (Weg)
Der Begriff Arbeit wird im Alltag vielfŠltig gebraucht.
Wir sprechen von Maschinenarbeit, Handarbeit, Schreibarbeit, Rechenarbeit,
Lesearbeit, Stromarbeit, kšrperlicher und geistiger Arbeit.
GefŸhle der ErmŸdung und Anstrengung verwenden wir im
Alltag als Ma§ fŸr die Schwere und Grš§e einer Arbeit.
In der Physik ist die Bedeutung des Wortes ãArbeitÒ
genauer festgelegt: ãArbeit wird nur dann verrichtet, wenn eine Kraft auf einen
Kšrper einwirkt und sich der Kšrper dabei um eine bestimmte Strecke
verschiebt.Ò
Unterschieden wird dabei zwischen Hubarbeit,
Beschleunigungsarbeit und Spannungsarbeit.
Wird ein Kšrper in die Hšhe gehoben, so muss eine Kraft F
aufgewendet werden, die gleich gro§ wie das Gewicht des Kšrpers ist, aber
entgegengesetzt wirkt. Der entsprechende Weg s ist die Hubhšhe h:
W (Hubhšhe) = masse * gewicht * hšhe
Masse = Dichte * Volumen
Volumen = FlŠche * Hšhe
Dichte (Rho) = Masse / Volumen
Die Dichte (Raumdichte, Massedichte, spezifische Masse,
density), Formelzeichen r (rho), ist der Quotient aus Masse m und Volumen V
(r=m/V) d.h. ãMasse pro VolumenÒ. Die Dichte ist der Zahlenwert der
Massenkonzentration. Die gesetzliche Einheit ist kg/m3, gebrŠuchlich
ist auch g/cm3. Der Kehrwert der Dichte 1/r hei§t spezifisches Volumen (specific volume).
Ein Joule ist gleich der Energie, die benštigt wird, um:
á Ÿber
die Strecke von einem Meter die Kraft von einem Newton aufzuwenden oder
á fŸr
die Dauer einer Sekunde die Leistung von einem Watt aufzubringen (das ist in
etwa die Leistung vom menschlichen Herz).
Unter normalem atmosphŠrischem Druck von 1013,25 hPa wird
ein Gramm Wasser von 14,5 auf 15,5 ¡C (von 287,65 auf 288,65 Kelvin) erwŠrmt,
wenn man eine Energie von 4,1868 Joule (frŸher 1 Kalorie) zufŸhrt.
(siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Joule)
Volumenberechnung eines Quaders
Aufgabe:
Die zentrale Lage innerhalb Europas und die gute
Infrastruktur um Duisburg herum haben dazu gefŸhrt, dass jŠhrlich 46 Millionen
Tonnen Ladung auf 31.000 Schiffen umgeschlagen werden, was den Rhein-Ruhr Hafen
zum grš§ten Binnenhafen der Welt macht.
a) Angenommen alle
Container haben eine Breite von 2,5 m, eine Tiefe von 4 m und eine Hšhe von
2,30 m. Welches Volumen in Kubikmetern haben alle 31.000 gleichgro§en Schiffe
zu bieten, damit 46 Millionen Tonnen GŸter gleichmЧig auf alle Schiffe
verladen werden kšnnen? Wieviel Liter Wasser fasst jeder Container?
b) Wieviel Container
werden unter dem Gesichtspunkt a) verladen? Wieviel Schiffe unter Bedingung a)
braucht es, um die GŸtercontainer komplett vom HafengelŠnde entfernen zu
lassen, wenn ein Schiff das Ladungsgewicht von 300.000 kg nicht Ÿberschreiten
darf
c) R(h)ein
gefŸhlsmЧig wissen Sie als Steuermann im Stra§engŸterverkehr sicherlich
selbst, welche Transportmaschinen zum Lšschen der Containerladung nštig sind.
Wissen Sie es auch r(h)ein rechnerisch? Okay, dann bestimmen Sie bitte die zu
verrichtende Hubarbeit in Kilo-Joule, die nštig ist, um einen Container
anzuheben.
Beschleunigungsarbeit (Kinetische Energie)
Die Arbeit, die zur †berwindung der TrŠgheit aufgewendet
wird hei§t: Beschleunigungsarbeit:
Wb = Masse * Geschwindigkeit (v) zum Quadrat geteilt durch
2
Aufgabe:
a) Sie erwarten
ein Frachtschiff aus Rotterdam. Die Ladung soll in Duisburg gelšscht werden.
Die 250 km lange Strecke legt das Binnenfrachtschiff ãGoy FackÒ mit einer
Geschwindigkeit von 9,12 Knoten (1
Knoten = 0,536 km) zurŸck. Die Goy Fack verlŠsst den Hafen Rotterdam an einem
Dienstag um 7 Uhr morgens. Wann legt die Goy Fack im Hafen Duisburg an, wenn
die Wasserfahrt ohne ZwischenfŠlle und mit drei Stopps von insgesamt exakt 349
Minuten verlŠuft? Bitte nennen Sie den Tag und die Uhrzeit!
Um einen Gegenstand um die Strecke x zu dehnen, muss man
die Kraft F = k * x ausŸben. Die Spannungsarbeit ist:
Ws = k * x hoch 2 geteilt durch 2
Hier benštigen wir ein Naturgesetz, welches Robert Hooke,
ein englischer Physiker, Mathematiker, Entdecker (z. B. die Zellen in Pflanzen)
und Erfinder bereits vor fast vierhundert Jahren formulierte und das besagt,
dass elastische Kšrper ihre ursprŸngliche Form annehmen, sobald die verformende
Kraft nicht mehr wirkt. Plastische Kšrper bleiben im verformten Zustand. Damit
schuf Hooke die sogenannte Federkonstante (Klein k ist auch unter gro§ D
gelŠufig) und formulierte sie im Hookeschen Gesetz. Das Gesetz von Hooke
beschreibt die Wirkung einer Kraft auf elastische Kšrper (dies sind solche, die
nach der Belastung in ihre ursprŸngliche Lage zurŸckgehen).
Hinweise:
á Mit
Δ
bezeichnet man in der Physik Differenzen zwischen zwei gleichartigen
physikalischen Grš§en:
á Δ x ist
auf keinen Fall mit der FederlŠnge zu verwechseln.
á Der
GŸltigkeitsbereich des hookschen Gesetzes ist (wie der eines jeden
physikalischen Gesetzes) beschrŠnkt. So kann man nach Hooke z. B. nicht die
VerlŠngerung einer in der Schule Ÿblichen Schraubenfeder berechnen, wenn man
sie mit 4 000 N belastet.
á Bei
vielen Aufgaben ist die Masse m des Kšrpers gegeben, mit der die Feder
zusŠtzlich belastet wird. Um das Gesetz von Hooke anwenden zu kšnnen, mŸssen
Sie zuerst die Gewichtskraft Fg des Kšrpers nach der Beziehung Fg = m * g
berechnen. Dabei bedeutet g den Ortsfaktor (g È 10 N/kg).
Aufgabe:
Eine unbelastete Feder der LŠnge xo=15cm wird bei einer
Belastung von F1 = 0,60 N auf die LŠnge x1 = 25 cm gedehnt.
1. Berechnen Sie
die FederhŠrte D der Feder.
2. Mit welcher
Kraft F2 muss man an der Feder ziehen, damit sie dann eineinhalbmal so lang
ist, wie im unbelasteten Fall.
3. Mit obiger
Feder soll ein geeichter Kraftmesser gebaut werden. Wie weit (Strecke Δ xÕ)
muss die Markierung der HŸlse fŸr F3 = 0,40 N vom unteren Ende der HŸlse
entfernt sein?
4. Nennen Sie zwei
GrŸnde, die gegen die Verwendung eines ãGummikraftmessersÒ sprechen.
Lšsung:
d) Der Gummikraftmesser
hat i. d. R. keine lineare Einteilung. Au§erdem geht er bei Entlastung nicht
mehr zurŸck in seine Ausgangsposition
Aufgabe:
†ber die Meere werden – nach Frachtgewicht berechnet
– 92 Prozent aller WelthandelsgŸter transportiert. Das entspricht etwa
5,7 Mrd. Tonnen jŠhrlich. Wieviel Tonnen bleiben fŸr den GŸtertransport in der
Luft, auf den Schienen und Stra§en jŠhrlich Ÿbrig?
Angenommen, ein Stapel 5-Euroscheine misst 216,5 mm. Wie
viel Euro mŸssen Sie dazu verdienen, um den Stapel FŸnf-Euroscheune auf
insgesamt 25 cm Hšhe zu bugsieren? Angenommen sei, dass ein FŸnf-Euroschein
einen halben Millimeter dick ist.
10 zu bedenkende Punkte Ÿber Ihre Verhaltensweise zum
inneren Zeitdruck:
1. Interesse an der Uhrzeit
qgro§ (15) qmittel (10) qniedrig
(5) qkeine (9)
2. Redemuster (Wie hastig sprechen Sie?)
qsehr schnell
(27) qschnell
(18) qnormal
(5) qlangsam (1)
3.
Essverhalten
qFast Food (3) qmindestens eine warme Mahlzeit pro Tag (8) qkein FrŸhstŸck (2) qimmer wenn der
Hunger kommt (4)
4. Gehgeschwindigkeit
qmindestens 2
Schritte pro Sekunde (25) qmanchmal
rennend (9) qnie rennend (6) qschlurfend (0)
5. Fahrverhalten
qvogelkastenfotogen
(5) q†berholspurraser (7) qempfohlene
Richtgeschwindigkeit (11) qempfohlene Hšchstgeschwindigkeit (12)
5. ZeitplŠne
qnur nach
Terminkalender (15) qaufgeschoben ist
nicht aufgehoben (12) qkommste heute nicht kommste morgen (0) qImprovisationskŸnstler (3)
6. Nervšse
Energie
qkein Problem mit
langem Warten auf Amtsfluren und Wartezimmern (7) qkurze Wartezeit
und ich bin weg (8) qwenn ich um 5 Uhr dran bin, dann komme ich
auch um 5 Uhr dran (15) qauf mich kann man lange warten (5)
8. Gehen Sie manchmal wieder, wenn Sie auch nur mit kurzen
Wartezeiten rechnen mŸssen?
qauf jeden
Fall (10) qje
nach meinem Tagesablauf, kann das vorkommen (15) qda
wŠre ich ja blšd (2) qich warte gern auf die Dinge, die da kommen
(0)
9. Warnsignale: Geben Ihnen andere den Rat, langsamer zu
machen?
qnicht wirklich
(15) qmanchmal (8) qnie (3) qnur (10)
bis 23
Sie meinen wohl, so wie es ist kann es bleiben und wenn
Sie einen Wunsch frei hŠtten, dann sollte sich nichts verŠndern. Sie bringt so
schnell nichts aus der Ruhe, abgesehen vielleicht von Ihrem eigenen
Alterungsprozess, der Sie beunruhigt und immer wieder vor der Erkenntnis
stellt, dass das Leben wohl doch nicht immer so weiter geht. Sie wissen das
genau und sind deshalb in der Warteschleife. Man kšnnte den Eindruck gewinnen,
Sie wŸrden auf den Messias warten.
23 bis 45:
Sie sind ein Mystiker der Zeit. An Ihnen scheint einiges
Abzuprallen. Nicht jedes Ereignis ist fŸr Sie gleich wichtig. Sie leben nach
dem Komme-was-wolle-Prinzip, was nicht fŸr Sie hei§t, dass Ihnen alles egal
ist. Sie wissen halt, dass sich einige Dinge nicht Šndern lassen und kšnnen
damit leben, nutzen aber zugleich auch gewisse Vorsprungschancen aus und
stellen diese als gott- bzw. schicksalsgegeben dar. Das ist nicht ganz fair, da
Sie langsameren Mitmenschen wenig Chancen geben, stimmtÕs?
46 bis 90:
Sie registrieren wenigstens noch den Rat von Freunden,
Verwandten und Bekannten langsamer gehen zu lassen. Sie stecken voller Ungeduld
und wŠren so gern perfekt in jeder Hinsicht. Sie lassen andere nicht warten und
erwarten das genau auch von Ihrer Umgebung. Sie nehmen sich noch nichtmal die
Zeit fŸrs FrŸhstŸck. Woher auch? Denn den Tag durchzuplanen wollen Sie nicht,
weil er fŸr Sie manchmal wie ausschlie§lich fremdbestimmt wirkt.
Sie selbst aber meinen, Sie kšnnen Einfluss auf die
Terminplanung anderer nehmen. Lassen jedoch selbst nur ungern Einfluss auf
Ihren Tag zu. Sie nehmen es hin, dort wo es nštig ist. Ansonsten reagieren Sie
grantig, wenn man Ihnen TagesablŠufe vorschreiben soll. Selbst wenn es das
eigene Wohlbefinden so will.
91 bis 135:
Sie sind einfach nicht zu stoppen und auch nicht zu
toppen. Nichts und niemand kann Sie aufhalten! Nichteinmal Ihr Arzt! Sie merken
kaum noch, dass Sie auf der †berholspur zuhause sind. Sie sind ein Mensch, bi
dem ãdas GefŸhl, unter Zeitdruck zu stehen, extrem und zur Gewohnheit wird
– und Sie sich gezwungen fŸhlen, sich auch ohne echten Šu§eren Zeitdruck
stŠndig zu beeilen -, dann fŸhrt das unter UmstŠnden zu Symptomen, die Diane Ulmer
und Leonhard Schwartzburd, zwei Psychologen, die sich mit der Entstehung von
Herzkrankheiten beschŠftigen, unter dem Namen Eilkrankheit zusammengefasst
haben.Ò Also Vorsicht! Und eine Spur langsam, sonst werden Sie eines Tages noch
zu einsam, wenn Ihnen keiner mehr folgen kann.
Die drei Symptome der Eilkrankheit
nach Ulmer und Schwartzburd
†bernehmen Sie die Kontrolle
Die zentralen Zeitinstitutionen der
ãindustriekapitalistischen GesellschaftÒ sind die Chronometrische (in der Dauer)
und Chronologische (in der Verteilung) Fixierung des Arbeitstags, der
Arbeitswoche und des Arbeitsjahres = ãRahmen fŸr die soziale ZeitstrukturÒ.
D.h., neben der Dauer ist die Verteilung/Lage der Zeit im
Tages-, Wochen-, Jahres- und Lebensverlauf bedeutsam fŸr die alltŠgliche
Zeitgestaltung. (Garshammer)
Die Entstehungsbedingungen der abstrakten Zeit
ist eng an technischen, škonomischen und sozialen
Wandlungen gekoppelt, die sich im †bergang vom Mittelalter zur Neuzeit
vollzogen haben.
Folgende Bedingungen lassen sich festhalten:
Entwicklung der Handelskapitale und Entstehung des
Kreditwesens
Entfaltung des Warenverkehrs und der Verkehrswege
Steigerung der Warenproduktion
Fortentwicklung der Arbeitsteilung
Strategie des MilitŠrwesens
Disziplin in den Klšstern
Protestantische Ethik
Disziplin in den Klšstern
Im klšsterlichen Leben entwickelten sich die ersten
AnsŠtze zu einer bis dahin unbekannten Standardisierung und abstrakt-zeitlichen
Organisierung des Tagesablaufes.
Die erste Uhr wurde angeblich im 10. Jahrhundert vom Mšnch
Gebert erfunden; eine mit fallenden Gewichten betriebene Uhr.
Nicht Arbeitszeit bestimmte die Hšhe des Einkommens,
sondern wenn ein ausreichendes Einkommen erzielt wurde, wurde die Arbeit
abgebrochen. RegelmЧiges Arbeiten, PŸnktlichkeit, Ausdauer und die
BeschŠftigung einer Arbeit Ÿber einen lŠngeren Zeitraum sind also
Errungenschaften, die in den Fabriken und Manufakturen erst mŸhsam etabliert
werden mussten. Gleiches galt fŸr die rŠumliche Trennung von Arbeit und
Freizeit. Die Taschenuhr wurde mit der Industrialisierung von einem
Luxusgegenstand zu einem Gebrauchsgut.
ZeitverstŠndnis
und Zeitordnung
Die Zeit in Marienthal
Marienthal ist ein kleines Dorf in …sterreich bei Wien,
das durch Massenarbeitslosigkeit betroffen war. Marie Jahodas Studie macht
anhand dieses Ortes und seiner Bewohner das gleichzeitige Nebeneinanderbestehen
von mehreren zeitlichen Bezugssystemen innerhalb einer sozialen Gruppe deutlich:
Der Arbeitslose (von Marienthal) ist nicht mehr im Stande,
Ÿber alles, was er im Laufe des Tages getan hat, Rechenschaft zu geben. Nennen
und aufzŠhlen lassen sich ausser den Orientierungspunkten (wie Essen und
Schlafen) nur die wenigen sinnerfŸllten Handlungen am Tag (...)
Doppelt verlŠuft die Zeit in Marienthal, anders den Frauen
und anders den MŠnnern. FŸr die letzteren hat die Stundeneinteilung lŠngst
ihren Sinn verloren. Hingegen sind die Frauen nur verdienstlos, nicht aber
arbeitslos im strengsten Wortsinn geworden (...)
Jahodas Zusammenfassung:
So zeigt sich im Gesamtverlauf wie im kleinen, dass die
Marienthaler zu einem primitiveren, undifferenzierteren Zeiterlebnis
zurŸckgekehrt sind: Es werden nicht die neuen VerhŠltnisse in das gewohnte
Zeitschema eingeordnet, sondern es beginnt der Šrmer gewordenen Ereignis- und
Anforderungswelt allmŠhlich eine Šrmere Zeitordnung zu entsprechen.
ProduktivitŠtsverstŠndnis und Technologie in der
industriellen Zeitwirtschaft
Der zeitškonomische Gehalt des industriellen
ProduktivitŠtsbegriffs
Der gegenwŠrtige und gŠngige ProduktivitŠtsbegriff wird
allgemein kaum angezweifelt. Obgleich die ProduktivitŠt nicht nur als
ArbeitsproduktivitŠt zu verstehen ist, sondern als das Zusammenwirken der
Faktoren Boden - Kapital - Arbeit (Land, Material, Maschinen und Menschen)
konzentrieren sich die AusfŸhrungen faktisch jedoch auf die Frage der
Effektivierung der industriellen Produktion und insbesondere auf die Behandlung
von Zeit-Standards der Produktion bezogen auf Maschine und Mensch.
Zeit wird zur WŠhrung betrieblicher Arbeitsorganisation.
…konomie der Zeit und industrielle Technologie
Die Kontrolle Ÿber die Zeit ermšglicht es, die Leistung
der Arbeitenden an bestimmte Zeitpunkte oder ZeitrŠume zu koppeln und
Abweichungen hiervon zu sanktionieren.
Zeitškonomie meint nicht nur die Verschnellerung, sondern
auch RegelmЧigkeit und ZuverlŠssigkeit, Abbau von zufŠlligen Hindernissen z.
B. durch Natureinwirkungen (nonstochastic system), Abbau von Zeitschranken
durch Zollkontrollen u. Š.
Sowohl im Transport- und Verkehrswesen als auch im Bereich
der materiellen GŸterproduktion scheint die Entwicklung an einem Punkt
angelangt zu sein, an dem die Erschlie§ung nennenswerter zeitlicher Ressourcen
weniger von einer Verschnellerung zu erwarten ist als vielmehr von einer
Minimierung der Ruhe-, Stillstands- und Ausfallzeiten von Aggregaten und
Personal.
3. Die zeitliche
Organisation des industriellen Produktionsprozesses
Zeitškonomie in der Arbeit
Die Einsicht Benjamin Franklins, nach der Zeit Geld
sei, entsprach das schon 1776 formulierte Ziel einer ãrationalisiertenÒ
Arbeitsorganisation von Adam Smith:
Die gro§e Vermehrung in der QualitŠt des Erarbeiteten,
die infolge der Arbeitsteilung die nŠmliche Zahl Leute herzustellen imstande
ist, verdankt man dreierlei verschiedenen UmstŠnden: Erstens der gesteigerten
Geschicklichkeit bei jedem einzelnen Arbeiter, zweitens der ersparten Zeit,
welche gewšhnlich bei dem †bergange von einer Arbeit zur anderen verloren geht,
und endlich der Erfindung einer ganzen Menge von Maschinen, welche die Arbeit
erleichtern und abkŸrzen und einen einzigen Menschen imstande setzen, die
Arbeit vieler zu verrichten.
Geschicklichkeit meint also nicht so sehr die
Verbesserung der Qualifikation, sondern die vorgabezeitkonforme Erledigung
einer qualifizierten Aufgabe.
Kompetenzstufen
In wieweit ein Individuum, der ihm gestellten Aufgaben in
zeitlicher Hinsicht gewachsen ist, hŠngt von einem Faktor ab, der hier als
Stufe der Kompetenz bezeichnet werden soll:
ungerichtet-chaotisches Handeln
strukturiert-rigides Handeln
kontrolliert-bedŸrfnisgerechtes Handeln
Diese strukturbedingten, Die zielgerichtet nach
Kriterien der Zeitškonomie gestaltete VerŠnderung des Produktionsprozesses
erfolgte im Zuge einer Bewegung, die gemeinhin als Taylorisierung des
Arbeitsprozesses bezeichnet wird.
mehr oder weniger stark ausgeprŠgten VerhaltenszwŠnge
oder, anders ausgedrŸckt, die kleiner werdenden zeitlichen OptionsspielrŠume
stellen die Enteignung eines wesentlichen Teils der gesamten individuellen
Handlungskompetenz dar. Eine Ÿber ein gewissses Ma§ hinausgehende Anhebung des
Leistungsniveaus hšhlt Handlungs- und Entscheidungskompetenzen als solche in
einem langsamen Erosionsprozess aus. Sie werden ersetzt durch strukturelle
ZwŠnge. So bleibt unter einem wie auch immer hergestellten Zeitdruck von einem
bestimmten Punkt an kaum noch die Mšglichkeit zu
kontrolliert-bedŸrfnisgerechtem Handeln, sondern tendenziell nur noch die
Mšglichkeit zu rigiden oder - falls dies aufgrund der Persšnlichkeit nicht
durchfŸhrbar ist - i. d. R. zur chaotischen Organisation des Familienalltags.
Die Leistungsspirale
Je stŠrker die Leistungskontrolle im Unternehmen und
je intensiver die Arbeit ist, desto mehr muss der Reproduktionsbereich vom
Individuum und seinem sozialen Umfeld daraufhin orientiert und organisiert
werden
Die Objektivierbarkeit von ãNormalleistungÒ in einem
Betrieb ist nach Taylors Auffassung nur durch eine Arbeitsorganisation zu
erreichen, die unabhŠngig von dem Willen oder der WillkŸr der Vorgesetzten aus
sich heraus mit zwingender zeitlicher Notwendigkeit funktioniert und die von
jeder moralischen Problematik entkoppelt ist.
Die Stoppuhr, nach der einzelne Arbeitsschritte zeitlich
gemessen werden, ist ein instrumentelles Resultat dieser †berzeugung. Diese
wissenschaftliche BetriebsfŸhrung von Taylor Anfang des vorherigen Jahrhunderts
entwickelt wurde nach dem 1. Weltkrieg vom ãReichsausschu§ fŸr ArbeitszeitermittlungÒ,
kurz REFA, weitergefŸhrt und in die Praxis umgesetzt. Der Geldakkord wurde
gegen den Zeitakkord ersetzt.
Die Herstellung von Tempo, ZuverlŠssigkeit und Ausdauer
Eliminierung von LebensŠu§erungen aus dem Arbeitsprozess
Ohne industrielle Disziplin verliefe ein Arbeitsprozess
sehr ãunrationellÒ; ArbeitstŠtigkeiten wŸrden bestŠndig von TŠtigkeiten der
persšnlichen BedŸrfnisbefriedigung oder von sozialer Interaktion unterbrochen.
PŸnktlichkeit als Prinzip, als generalisierte
Verhaltenserwartung soll etabliert werden. Die Stechuhr ist eine
instrumentalisierte Folgeerscheinung zur †berwachung der Arbeitszeit geworden.
Drei Perioden der Lohnformentwicklung lassen sich
unterscheiden:
StŸcklohn
Zeitlohn
Leistungslohn
RegelmЧigkeit der Arbeitsaufnahme
Festlegung der Dauer der Arbeitszeit
Festlegung der Lage der Arbeitszeit
Pausenregelung
Urlaub
Dauer der ArbeitsvertrŠge
Industrieller Leistungsbegriff
Leistung als Ersatz fŸr Gegenstandsinhalte
Der Leistungsbegriff wird dort relevant, wo Entscheidungen
und Handlungen als zentrale verursachende Faktoren irdischer
Menschheitsgeschichte und gesellschaftlicher Strukturbildung entdeckt wurden.
Die Geltung des Leistungsprinzips liegt in der zeitlichen
Strukturiertheit von Handlungen in der industriellen Leistungsgesellschaft.
Zeitliche Bedingungen prŠgten zunehmend das Handeln und die Erfahrung
(Seyfarth). Zeit wird somit zu einem Substitut fŸr die Sachstruktur von
Problemstellungen. Nach Luhmann gilt Leistung zunehmend als ein Prinzip der
sozialen Organisation.
Rhythmische Vergemeinschaftungsprozesse steigern erheblich
die Produktivkraft der Arbeit, so dass durch eine bestimmte Art kooperativer
Arbeit die Gesamtarbeitsleistung dieses Arbeitsorganismus mehr betrŠgt als die
Summe seiner Teile. Dabei lassen sich organische Vergemeinschaftungen
(vorindustrielle Epoche) von synthetischer Vergemeinschaftung unterscheiden.
Der biologische Rhythmus des Menschen und die lineare Zeitstruktur
der Produktion
ZyklizitŠt und NormalitŠt
In Taylors Sinne wurde der Versuch unternommen, der
biologischen ãUhrÒ des Menschen den linearen, gleichfšrmigen Takt von Maschine
und Arbeitsorganisation einzugeben. Das Nicht-Kontrollierbare wird das ErklŠrungs-
und BehandlungsbedŸrftige. Verstanden werden muss der Mechanismus einer
Gesellschaft, die seit einigen Jahrhunderten die Beherrschung nicht nur der
Šu§eren Natur, sondern auch der biologischen Funktionen jedes Individuums
organisiert. Diese Beherrschung besteht wesentlich auch in der Kontrolle des
Individuums gegenŸber seiner inneren (zeitlichen) ZyklizitŠt. Sie ist Teil
eines umfassenden Systems der Affektkontrolle, dem der Mensch mit dem
Fortschreiten des Zivilisations- und Industrialisierungsprozesses unterworfen
wird (Elias).
Zeitgeber - die soziale Komponente des Biorhythmus
Der Hell-Dunkel-Rhythmus
Selbst bei langen Gewšhnungsphasen ist der Tagesrhythmus
des Menschen nicht umkehrbar. Allerdings - wie sich aus dem Tierreich
nachweisen lЧt - gilt nicht die Formel Hell = AktivitŠt und Dunkel =
PassivitŠt als eine Naturkonstante.
Bei Untersuchungen zur Biorhythmik beim Menschen,
durchgefŸhrt von dem Physiologen Wever hatte sich gezeigt, dass ein Teil der
biologischen Systeme von Šu§eren EinflŸssen kaum verŠndert, ein anderer sehr
stark beeinflu§t wird. GrundsŠtzlich stellt der menschliche Kšrper eine
SynchronitŠt zwischen diesen vielfŠltigen KreislŠufen und ZyklizitŠten her. Es
bildet sich eine Tagesperiodik aus, in der die verschiedenen Rhythmen
gleichgeschaltet sind, so dass die Spitze der AktivitŠt zusammenfŠllt mit der
hšchsten Kšrpertemperatur, der hšchsten Kaliumausscheidung, dem hšchsten Grad
an KonzentrationsfŠhigkeit u. a. m.
Die soziale Komponente wird in der Chronobiologie als
Desynchronisationsvorgang bezeichnet; in einem biologischen Idealzustand
herrscht eine harmonische Ordnung zwischen den unterschiedlichen Rhythmiken
innerhalb des Organismus. Dieser Idealzustand wird jedoch nicht als ein
dauerhafter Zustand angesehen, sondern stellt nur jeweils ein †bergangsstadium
dar. Die innere Zeitstruktur des Organismus befindet sich also in einem labilen
Gleichgewichtszustand zwischen Leistung und harmonischer Ordnung.
Die mit Zeitzonen befa§ten Forschungsarbeiten zeigen, dass
bei den von der Zeitverschiebung betroffenen Personen nach einigen mehr oder
weniger gravierenden Umstellungsprozessen, die variirend zwischen Sommer- und
Winterzeit-Umstellung eine Woche bis 14 Tage andauern, Šhnlich wie bei
Transatlantik- oder InterkontinentalflŸgen eine Anpassung an der
Circadianrhythmik stattfindet. Allerdings stellt die
Sommer-Winterzeit-Umstellung eine administrativ verordnete Anpassung des
biologischen Systems bei unverŠnderten geophysikalischen Umweltbedingungen dar.
Unter Chronohygiene werden †berlegungen verstanden, wie
bewu§te Steuerung zeitlicher AblŠufe im Arbeitsbereich Belastungen reduzieren
und gesundheitliche SchŠdigungen vermeiden werden kšnnen. Chronohygiene ist
somit das VerhŠltnis von Umwelt und Gesundheit.
Das Individuum muss in der Lage sein, abzuschŠtzen, welche
Sanktionen oder Gratifikationen ihm drohen oder winken, wenn es die ãZeichen
der ZeitÒ nicht richtig deutet.
ãDer GestaltkreisÒ und ãGestalt und ZeitÒ sind
Untersuchungen von WeizsŠcker, die belegen, dass bei der Bestimmung
kšrperlicher VorgŠnge und des Biologischen allgemein der Faktor Zeit und die
RhythmizitŠt biologischer Prozesse eine SchlŸsselrolle spielen.
Grundproblem dieser Untersuchung ist jedoch, dass
biologische VorgŠnge sich nicht auf einem Zeitkontinuum abbilden lassen. Die
physikalische Zeit ist also nicht die Zeit schlechthin, sondern eine bestimmte
Form der Zeit.
Produktion unter BerŸcksichtigung der menschlichen
Leistungskurve
Der Gegensatz von biologischer Uhr und der Uhr des
Industriesystems wird zwar in den meisten arbeitswissenschaftlichen Eršrterung
benannt; bei der konkreten Untersuchung von ArbeitstŠtigkeiten, wie sie im
industrie-kapitalistischen System vorzufinden sind, wird dieser Gegensatz dann
jedoch wieder biologisiert. Er wird entweder als unvermeidlich dargestellt,
will man Fortschritte in der ProduktivitŠt erzielen, oder aber die
Nichtbefolgung biorhythmischer Erfordernisse wird in ihren Auswirkungen
bagatellisiert.
Der Dritte Zeiger symbolisiert die Leistungszeit.
Untersuchungen zur Flie§bandarbeit fŸhrten den
Arbeitsphysiologen Graf zu der Erkenntnis, ãdass die zwangslŠufige Regelung des
Arbeitsablaufes zu gewissen Schwierigkeiten fŸhrt insofern offenbar die
LeistungsfŠhigkeit des Menschen zu verschiedenen Zeiten und besonders
Tagesstunden nicht dieselbe ist.Ò
( vgl. Graf 1933, S. 333)
€hnlich wie Taylor, der kritisiert hat, dass eine spontan
ablaufende, die optimalen Handgriffe nicht beherrschende und mit unregelmЧiger
Energieverausgabung durchgefŸhrte Arbeitsweise das Gesamtergebnis der
Arbeitsleistung eher verringert, weist auch Graf einem arbeitshygienisch
gestalteten Pausenregime eine hohe Bedeutung fŸr die Erhaltung der
ArbeitsfŠhigkeit zu.
Hšchster Nutzeffekt (der Arbeitszeit) kann auf die Dauer
nur erzielt werden durch Arbeitserleichterung und Beseitigung von unnštigen
Hemmungen, nicht aber durch blo§en hšheren Energieeinsatz der leicht zum
Raubbau wird. (Graf)
Unter kardinale Zeit versteht man die Dauer der
ArbeitstŠtigkeit und ihre Lage im Tagesverlauf.
Das dem Belastungsverlauf entsprechende Pausenregime
erhŠlt man dadurch, dass beim †berschreiten eines Erholungsbedarfs von 10
Minuten eine Pause von 6 Minuten Dauer zwischengeschaltet wird. (S. 70)
Allerdings folgen die Bewertungen der Arbeit z. B. hinsichtlich
der physischen Anstrengungen ja nicht entsprechend der jeweiligen tatsŠchlichen
LeistungsfŠhigkeit und den biologischen Rhythmen der einzelnen Arbeitsperson,
sondern Šhnlich wie bei anderen Leistungsbewertungsystemen bezogen auf von den
Betroffenen nicht selbst ermittelte Durchschnittsgrš§en und Erfahrungswerte fŸr
alle Arbeitspersonen.
Flexible Fertigungssysteme werden verstŠrkt auch deshalb
staatlich gefšrdert, um dem Ziel der ãunmanned factoryÒ in mšglichst kurzer Zeit
nahezukommen. Sie stehen im Zusammenhang mit der Entwicklung von
Industrierobotern, deren Vorzug ebenfalls u. a. in der erhšhten FlexibilitŠt
und der vergrš§erten Einsatzbreite gesehen wird, die bei Kleinserienproduktion
und geringer Losgrš§e besonders rationell ist.
Nicht allein die Lohnformen und die škonomischen
Rahmenbedingungen der Arbeit bestimmen den Umgang mit den durch das technische
System eršffneten HandlungsspielrŠumen, sondern auch die Arbeitssozialisation,
der erlernte Umgang mit den Arbeitsbedingungen und ihren Folgewirkungen und
somit auch den ZeitzwŠngen der Arbeit.
Bei variablen Arbeitzeiten geht man von einem individuell
verschiedenen Verlauf der Tagesrhythmik aus. Was zŠhlt ist die individuelle
Leistungskurve.
Hildebrandt-Untersuchungen:
Humanisierung und Wirtschaftlichkeit sollen konzeptionell
wieder miteinander verbunden werden
eine Verschiebung von Arbeitsbeginn, Mittagspause und
Arbeitsende kann das ãAngebot an LeistungsbereitschaftÒ verbessern helfen, ohne
dass die Zahl an Arbeitsstunden geŠndert wird
hšhere Leistungsbereitschaft der einzelnen Personen bei
einer variable gestalteten Arbeitszeitregelung
Die AnsŠtze zu biorhythmisch orientierten
Produktionsverfahren mŸssen auch als der humane Teil der wissenschaftlichen
Arbeitsorganisation verstanden werden, die bemŸht ist, den industriellen
Produktionsprozess mšglichst in seiner Gesamtheit unter die Kontrolle des
Managements zu bringen.
Individuelle Schlupfwinkel und Strategien der
ArbeitszurŸckhaltung, etwa bei gelegentlichen Leistungstiefs, bei Krankheit,
bei Depressionen u. Š. werden strukturell unmšglich. Die Beurteilung der
Gesamtleistung des Arbeitnehmers in einzelnen Phasen und im Durchschnitt wird
hierdurch erleichtert.
Die Schwierigkeit der Anpassung von Arbeitsstrukturen an
die Biorhythmik des Menschen ist vorwiegend in der zeitwirtschaftlichen
Organisiertheit der industriellen Arbeit zu suchen.
4. Zeitordnung,
Zeitnormen und Arbeitszeit als Belastungsfaktor
€u§ere zeitlich Rahmenbedingungen des industriellen
Alltags
Der industrielle Alltag ist ein engmaschiges
doppeldeutiges Geflecht zeitlicher Anforderungsstrukturen: einerseits schŠrnkt
es den handlungsspielraum ein, weil es an zeitlich fixiertes Handeln gebunden
ist, andererseits bietet dieses Geflecht auch eine Entlastung von
Entscheidungsnotwendigkeiten.
…ffnungszeiten
Einzelhandel
Von rund 65 Prozent der Konsumenten (also nicht nur der
BerufstŠtigen) werden die tŠglichen Lebensmittel in der NŠhe der Wohnung
eingekauft, von 13 Prozent in der NŠhe des Arbeitsplatzes und von 14 Prozent
auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, der Rest verteilt sich auf
andere Standorte.
Dass ein erhšhter Bedarf an Sprechstunden und …ffnungszeiten
besteht, die an der Lebens- und Arbeitssituation ausgerichtet sind, zeigt die
EinfŸhrung von SpŠtsprechstunden in einigen Hauptverwaltungen.
Zeitverbrauch Haushaltsproduktion
Akteure in der Haushaltsproduktion verhalten sich
entsprechend dem bereits formulierten Gesetz des konstanten Zeitvolumens.
RŠumliche MobilitŠt
Bedingungsfaktoren der MobilitŠt
Der Zwang zur rŠumlichen MobilitŠt hat sich wesentlich
vergrš§ert. Die Entwicklung geht nach einer Wiener Studie zu einer stŠrkeren
Verbreitung mittlerer ArbeitsweglŠngen. Sehr lange Arbeitswege werden gemieden,
aber auch kurze Arbeitswege sowie Fu§wege kommen nur selten vor.
Die Expansion des Transportwesens stellt in mehrfacher
Hinsicht eine Form der strukturellen Gewalt dar. Zum einen, indem die Teilhabe
an ãTransportÒ - Personen wie GŸtertransport - fŸr das Individuum faktisch zu
einem Zwang wird, dem es sich nur um den Preis seiner sozialen Benachteiligung
entziehen kann. Zum anderen reproduzieren und verdoppeln sich soziale
Ungleichheiten.
Es verkŸmmern die FŠhigkeiten des Kšrpers zur
Fortbewegung, wŠhrend andererseits das Transportwesen insgesamt nicht
effektiver wird (Staus, verspŠtete ZŸge, ect.)
Roberts Schluss aus der †berlegung, dass die MobilitŠtsbereitschaft
unter entwickelten industriell-kapitalistischen Bedingungen eine
Strukturnotwendigkeit darstellt, ist, dass die Behandlung von Wegezeiten als
unbezahlte Privatzeit des Arbeiters eine Form des Zeit-Diebstahls darstellt.
Es zeige sich bei der Darstellung im Raum-Zeit-Modell,
dass die hoheitlich verfŸgten und kontraktlich festgelegten Zeitpakete
(…ffnungszeiten von šffentlichen Institutionen wie Schulen u. Š.,
Arbeitszeiten) noch einige sogenannte ãZeitfensterÒ, das sind ungenutzte
Zeitintervalle, Ÿbrig lie§en, die es bei einer Organisation des Alltagslebens
optimal zu nutzen gelte.
Haegerstrand nennt drei Ristriktionen, die die Menge
mšglicher Handlungen begrenzen:
capability constrains (z. B. Zeit fŸr
Nahrungsaufnahme)
coupling constrains (abgesehen von der Telekommunikation
braucht die Kontaktaufnahme zu anderen Zeit fŸr eine rŠumliche
DistanzŸberwindung)
authority constrains (Zeitbarrieren wie …ffnungszeiten,
Einla§gebŸhren, Qualifikationserfordernis oder territoriale
VerwaltungszustŠndigkeiten)
Das Raum-Zeit-Modell nach Matzner et al. ist seiner
Intention nach kein Instrumentarium fŸr die individuelle Zeitplanung einer
Familie, sondern ein Mittel zur Erfassung von Restriktionen im Bereich des
raum-zeitlichen Alltagshandelns der Familie. Allerdings lЧt sich auch darŸber
spekulieren, ob mit dem Voranschreiten von Heimcomputern ein solches
Optimierungsmodell fŸr das Versorgungshandeln und die FreizeitaktivitŠten eines
grš§eren Familienhaushalts Anwendung finden kšnnte.
Inwiefern bedingen Arbeitszeiten und Arbeitszeitregelungen
in qualitativer und quantitativer Hinsicht zeitliche, sachliche oder soziale
Restriktionen, die zu Hemmungsfaktoren fŸr die Entwicklungschancen von Individuen
und ihren sozialen Bezugsgruppen werden?
Zeitrestriktion durch Dauer der Arbeitszeit und
arbeitsgebundene Zeit
Effektive Arbeitszeit, †berstunden, Kurzarbeit
Der Statistik des Instituts fŸr Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung zur Folge ist die Jahresarbeitszeit der Arbeitnehmer
durchschnittlich um 370 Stunden auf 1714 Stunden, also um gut ein Sechstel,
zurŸckgegangen. Die Mehrarbeitsstunden schwanken stark mit dem
Konjunkturzyklus, zeigen aber keinen auffŠlligen Trend. Allerdings ist
auffŠllig, dass in den letzten Jahren die Kurzarbeit und eine anhaltende
Verringerung von Mehrarbeitsstunden eine gewisse arbeitsmarktpolitische
Pufferfunktion gehabt haben. Der Krankenstand weist prozyklische Schwankungen
auf, folgt aber sonst keinem Trend.
31 Prozent der Akademiker und Manager arbeiten mehr als 45
Stunden die Woche, BŸroberufe oder soziale Dienstleistungsberufe liegen bei
11,3 bzw. 9,8 Prozent dieser Mehrarbeiter. Dazwischen befinden sich die
manuellen Industrie- und Handwerkerberufe. UngefŠhr 80 Prozent der Angehšrigen
dieser Berufsgruppe arbeiten zwischen 35 und 43 Stunden. 16 Prozent mehr als 45
Stunden.
Das FŸr und Wider von Teilzeitarbeit ist in der
gegenwŠrtigen politischen Auseinandersetzung vor allem aus
gesellschaftspolitschen wie auch aus frauen- und familienpolitischen GrŸnden
heftig umstritten. GegenwŠrtig arbeiten etwa 8,3 Prozent der ErwerbstŠtigen,
Ÿberwiegend Frauen, in TeilzeitbeschŠftigung. Die PrŠferenz liegt in der
Vormittagsarbeit. Die meisten Mischformen von Teilzeitarbeit und flexiblen
Arbeitszeiten finden sich im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel.
Die verŠnderten ArbeitszeitbedŸrfnisse auf der einen Seite
und die VerŠnderung der tatsŠchlichen Arbeitszeit auf der anderen, etwa in Form
von Kurzarbeit, zwangsweiser HalbtagsbeschŠftigung, aber auch von †berstunden
im gleichen Betrieb laufen parallel, ohne dass ein arbeitszeitlicher Ausgleich
zwischen den BeschŠftigten erfolgt. Arbeitnehmer mit meist hšherer
Qualifikation, die nach Verringerung ihrer Arbeitszeit streben und auch
Einkommensverluste hierfŸr in Kauf zu nehmen bereit sind, haben
Schwierigkeiten, entsprechende ArbeitsplŠtze zu finden, wŠhrend andererseits
Kurzarbeiter in Industriebetrieben zumindest aufgrund ihrer Einkommenslage in
der Regel Vollzeitarbeit oder sogar †berstunden bevorzugen, aber weniger zu
arbeiten gezwungen sind.
Auffallend hŠufig ist die UnfallhŠufigkeit in der
FrŸhschicht. Leistungsschwankungen und spezifische Arbeitsbelastungen, wie
Arbeit unter Termindruck sind die besonderen Risikofaktoren zur
UnfallhŠufigkeit. Ein Zusammenhang zwischen Arbeitsdauer und UnfallhŠufigkeit
besteht nicht nur zur Mehrarbeit, sondern auch zu den WegeunfŠlle.
Lage der Arbeitszeit
Schichtarbeit
Ebenso wie die Dauer der Arbeitszeit strukturiert auch
deren Lage in entscheidender Weise das Zeitbudget von Individuum und Familie
oder sozialer Bezugsgruppe.
3 Ursachen fŸr die Existenz von Schichtarbeit:
technische Herstellungsverfahren (chemische Industrie,
HŸttenwerke, etc.)
soziale Notwendigkeit (Krankentransporte, Polizei,
etc.)
škonomische GrŸnde (kapitalintensive
ProduktionsstŠtten)
VorschlŠge zur Verbesserung der Lebenssituation der BeschŠftigten
in Schichtarbeit:
á EinfŸhrung
von Tag-, Nacht- und Wochenendbetreuung in Kinderhorten
á bevorzugte
Belieferung mit bestimmten Dienstleistungen
á FrŸh-
und SpŠtverkaufsstellen im Wohngebiet, sowie angepasste …ffnungszeiten von
Bibliotheken, Kinos, Freizeitzentren und SportstŠtten; Verlegung von
politischen und kulturellen Veranstaltungen auf Schichtarbeiter zugŠnglichen
Zeiten
á Wiederholung
des abendlichen Fernsehprogramms am Vormittag
á Zuweisung
besonders lŠrmgeschŸtzter Wohnungen
á VerlŠngerung
des Urlaubs und vorrangige Vergabe von FerienplŠtzen und vorbeugende
Erholungskuren
á Einstellung
der betrieblichen und au§erbetrieblichen Qualifizierungsma§nahmen
Im Zuge der Rationalisierungsma§nahmen ist in
verschiedenen Branchen und Sektoren eine Tendenz zu beobachten,
VollzeitarbeitsplŠtze in TeilzeitarbeitsplŠtze umzuwandeln, um einen
flexibleren Personaleinsatz zu ermšglichen.
Das Hauptproblem besteht jedoch nicht unbedingt in der
VariabilitŠt der Arbeitszeiten als solcher, sondern darin, dass unter den
herrschenden Bedingungen die Struktur des Arbeits-Zeitbudgets weitgehend von
der Arbeitgeberseite bestimmt wird.
Insbesondere in der Werkzeughandhabung besteht die Gefahr,
dass sich die Arbeitsinhalte an den verbleibenden ArbeitsplŠtzen verringern und
inhaltsleere ResttŠtigkeiten die Arbeit kennzeichnen. Ausserdem besteht das
Risiko eines weiteren Entzugs der Kontrolle Ÿber die Zeit durch den Einsatz
neuer Technologien, wenn der rein technischen und škonomischen Logik die
BedŸrfnisse und Reproduktionserfordernisse der BeschŠftigten nicht stŠrker
entgegengehalten werden.
Nach Volksholz lassen sich deutliche ZusammenhŠnge
herstellen zwischen der Belastungssituation und den Lebens- bzw.
Konsumgewohnheiten:
á Arbeitnehmer
an ArbeitsplŠtzen ohne Belastungskomplexe rauchen und trinken weniger hŠufig
á An
ArbeitsplŠtzen mit Belastungskomplexen wird mehr geraucht, bei MŠnnern - mit
Ausnahme der in Schicht- und Nachtarbeit tŠtigen - auch mehr getrunken. Die
arbeitsplatzspezifischen Rauch- und Trinkunterschiede sind bei MŠnnern sehr
deutlich: ArbeitsplŠtze mit Arbeitserschwernissen und kšrperlich schwere Arbeit
wirken als VerstŠrker des Nikotin- und Alkoholkonsums
Arbeitsstrukturen und die Belastung durch die betriebliche
Zeitstruktur kšnnen mittelbar vermutlich zu koronaren Herzkrankheiten,
Erkrankungen des Magen- Darmtraktes u. a. fŸhren.
5. Auswirkungen von
Arbeitsbelastungen auf die Struktur des Zeitbudgets
Kontrolle Ÿber Zeitstrukturen
Kontrolle Ÿber Zeit als Problem von Macht
Arbeitszeit ist eine zeitliche Restriktion, die
hinsichtlich ihrer Dauer und Lage wie auch der inneren zeitlichen Ordnung des
Arbeitstages weitgehend fremdkontrolliert ist.
Zeitškonomie und Zukunftsbezug erlangen also in dem Ma§e
allgemeine Verbindlichkeit, wie erwerbswirtschaftliche Arbeit zum normalen
Modus der Existenzsicherung wird. Nun ist aber dieser neue Zukunftsbezug von
Arbeitskraftbesitzern keineswegs identisch mit demjenigen, der Kapital eigen
ist: WŠhrend durch Kapitalbildung und Kreditwesen gleichsam zeitfeste
Kontingente geschaffen werden, die nach festen Regeln und unter kalkulierbaren
Risiken eingesetzt werden kšnnen, bleibt der Zukunftsbezug des Lohnarbeiters auf
die lebenszeitliche Abwendung von Not bezogen. (Olk, 1978, S. 163f.)
In der Form der Lohnarbeit bestehen fŸr das Individuum
zwei Schranken, sich mit dem Arbeitsprozess zu identifizieren. Zum einen, von
der stofflichen Seite her, dadurch, dass es auf fremde Anweisung seine
ArbeittŠtigkeiten auszufŸhren hat, und zum anderen dadurch, dass es sich
zumindest unter kapitalistischen Bedingungen mit dem Ziel der Profitmaximierung
des Betriebes nicht oder nur indirekt identifizieren kann, da ihm das Resultat
der Arbeit in abhŠngiger BeschŠftigung nicht voll zukommt oder es nur sehr
vermittelt daran teilhat. Dort, wo EigentumsverhŠltnisse - wenigstens im Ansatz
oder dem Anspruch nach - verŠndert und die dort arbeitenden Menschen
MiteigentŸmer ihrer Produktionsmittel sind, wo sie infolgedessen in gewissen,
wenn auch teilweise sehr engen Grenzen, die Bedingungen ihrer Arbeit gestalten
kšnnen, verliert die zeitliche Dimension der Arbeit wieder an Gewicht.
Auch in familiengefŸhrten EinzelhandelsgeschŠft versuchen
die arbeitenden Personen selbstverstŠndlich, die ArbeitsmŸhe zu minimieren und
den Anteil ihrer arbeitfreien Zeit zu erhšhen. Allerdings in einem teilweise
anderen Sinne als dies bei abhŠngiger BeschŠftigung der Fall ist. Mann kann
zunŠchst davon ausgehen, dass sich das Kaufmanns-Ehepaar weitgehend mit den
Zielen und Arbeitsformen ihres GeschŠftes identifiziert.
WŠhrend der selbstŠndige Einzelhandelskaufmann das gesamte
Zeitverwendungsmuster seines Lebens von vornherein mit seinem Arbeitsziel
identifiziert und Mu§ezeiten und Zeiten der Arbeit nur teilweise voneinander
geschieden sind, wird der abhŠngig BeschŠftigte gezwungen, ein artifizielles
oder klischeehaftes Zeitverwendungsmuster zu produzieren.
Ein Entzug von Kontrolle Ÿber die Bedingungen der Arbeit
fŸhrt nicht nur zu einer Erhšhung des sozialen Konfliktpotentials und zu einer
PrŠzisierung zeitlicher Normierungen, sondern auch zu erheblichen physischen
und psychischen Belastungen des Individuums innerhalb seiner Arbeitssituation.
The Long Arm of the Job: Der Einflu§ der
Arbeitsbedingungen auf die arbeitsfreie Zeit
AbhŠngigkeiten der erwerbsarbeitsfreien Zeit vom
Produktionsbereich
Verhaltensrestriktionen
Wenn inhaltsleere Arbeit zu einem restriktiven
Verhaltensmuster in der arbeitsfreien Zeit fŸhrt, wird das auch als
carry-over-Effekt bezeichnet. Um diesen Effekt auf die Schliche zu kommen,
mŸssen folgende Fragestellungen berŸcksichtigt werden:
Sind es wirklich die Arbeitsbedingungen, die zu solch
einem restriktiven Verhaltensmuster in der arbeitsfreien Zeit fŸhren oder ist
es vielleicht auch die Sozialisation der Erwerbsbiografie?
Ist es die restriktive Arbeitssituation oder sind es die
AktivitŠten ausserhalb der Arbeit, welche intensiveren Einflu§ auf die
Reproduktionsbedingungen Ÿben?
Wie steht es um die individuelle FŠhigkeit zur BewŠltigung
von Arbeitsbelastungen?
Meisner ist in seiner Untersuchung ãStudy of Work and
LeisureÒ - deren Ergebnisse er unter dem bezeichnenden Titel ãThe long Arm of
the JobÒ veršffentlichte - von drei Dimensionen ausgegangen:
discretions (Handlungsspielraum /
Dispositionsmšglichkeiten)
express-instrumental dimension
(Artikulationsmšglichkeiten)
social interaction
Marstedt und Schahn konnten anhand einer Untersuchung
ZusammenhŠnge von Arbeitsbedingungen und psychosomatischen Beschwerden
nachweisen. Dabei zeigt innterhalb einer Skala mehrerer Belastungsfaktoren die
von den Beteiligten wahrgenommene ArbeitsintensitŠt eine im Vergleich zu
anderen Belastungsfaktoren sehr hohe Korreltaion zu psychosomatischen
Beschwerden. Untersucht wurde unter anderem auch der Zusammenhang von
Arbeitsbelastung und Freizeitgestaltung auf ein potentielles Herzinfarktrisiko.
Die Studie von Martin unterscheidet die Reaktionen auf
Arbeitsbedingungen anhand zweier Merkmale; zum einen konstruktive
Unzufriedenheit und zum anderen resignative Zufriedenheit.
MŠxchen Weber - Gott sei seiner Seele gnŠdig - formulierte
seinerzeit einen Fragenkatalog, der darauf abzielte herauszufinden, welche Art
von au§erberuflichen Interessen, produzierend oder rezipierend, ein normaler
Arbeiter Ÿberhaupt noch pflegen kšnne, nachdem er durch seine Berufsarbeit auf
eine jeweils spezifische Art ermŸdet worden sei.
Es wŠre falsch, dem Arbeitsprozess zu unterstellen er
bestimme gŠnzlich das Reproduktionsverhalten. Der ausserbetriebliche
Lebenszusammenhang ist ein weiterer wesentlicher Bezugspunkt, weil dann Ÿber
die faliliale Lebensweise arbeitsbedingte Unterschiede bei der Gestaltung der
freien Zeit rlativiert werden kšnnten (Schlšsser, 1981, S. 48).
Die Belastungssituation im Arbeitsbereich wirkt sich nicht
nur auf die TŠtigkeitsinhalte der Individuen und ihrer sozialen Bezugsgruppen
aus, sondern auch auf den Umgang mit der Zeit als solcher; also der ãformalen
StrukturÒ des Zeit-Budgets.
Die Forschungsarbeiten zur Arbeit-Freizeit-Problematik und
hier speziell diejenigen, die sich mit der Reaktion von Individuen und sozialen
Gruppen auf Nacht- und Schichtarbeit oder auf die Doppelbelastung der
berufstŠtigen Frau befassen, zeigen, dass auf gleiche oder Šhnliche
Belastungskonfigurationen unterschiedlich reagiert wird. Hier greift der
kulturelle Background zu weiteren ZusammenhŠngen wie Alter, Geschlecht,
Arbeitsbiografie, Sozialisation, Schichtzugehšrigkeit, Persšnlichkeitstyp, etc.
Bearbeitungsmodi von Zeit:
Dauer (kurz / lang)
zeitliche Lage (frŸher / spŠter)
FlexibilitŠt / Starrheit
Kontinuierlichkeit / Diskontinuierlichkeit
IntensitŠt (hohe / geringe Arbeitsgeschwindigkeit)
Zeitvertiefung
Kompetenzstufen
In wieweit ein Individuum, der ihm gestellten Aufgaben in
zeitlicher Hinsicht gewachsen ist, hŠngt von einem Faktor ab, der hier als
Stufe der Kompetenz bezeichnet werden soll:
ungerichtet-chaotisches Handeln
strukturiert-rigides Handeln
kontrolliert-bedŸrfnisgerechtes Handeln
Diese strukturbedingten, mehr oder weniger stark
ausgeprŠgten VerhaltenszwŠnge oder, anders ausgedrŸckt, die kleiner werdenden
zeitlichen OptionsspielrŠume stellen die Enteignung eines wesentlichen Teils
der gesamten individuellen Handlungskompetenz dar. Eine Ÿber ein gewissses Ma§
hinausgehende Anhebung des Leistungsniveaus hšhlt Handlungs- und
Entscheidungskompetenzen als solche in einem langsamen Erosionsprozess aus. Sie
werden ersetzt durch strukturelle ZwŠnge. So bleibt unter einem wie auch immer
hergestellten Zeitdruck von einem bestimmten Punkt an kaum noch die Mšglichkeit
zu kontrolliert-bedŸrfnisgerechtem Handeln, sondern tendenziell nur noch die
Mšglichkeit zu rigiden oder - falls dies aufgrund der Persšnlichkeit nicht
durchfŸhrbar ist - i. d. R. zur chaotischen Organisation des Familienalltags.
Die Leistungsspirale
Je stŠrker die Leistungskontrolle im Unternehmen und je
intensiver die Arbeit ist, desto mehr muss der Reproduktionsbereich vom
Individuum und seinem sozialen Umfeld daraufhin orientiert und organisiert
werden.
AdŠquanz von Leistungs- und Zurichtungsapparatur: Ein
Modell
Es ist fŸr das arbeitende Individuum unabdingbar,
permanent auf eine der geforderten Leistung entsprechende Zurichtung seiner
biologischen Funktionen, seiner psychischen BewŠltigungsfŠhigkeit sowie seiner
sozialen Eingebundenheit hin zu arbeiten.
Die Kosten, die die Produktion durch die Vernutzung der
menschlichen Arbeitskraft schafft, kšnnen also nur bedingt externalisiert
werden, etwa dadurch, dass die Existenz eines Proletariats hingenommen wird.
Wenn der Raubbau am ArbeitskrŠftepotential eines Landes, wie er durch die
HeranfŸhrung immer neuer und Entlassung der verschlissenenen ArbeitskrŠfte
geschieht, weitgehend unmšglich oder zumindest schwieriger wird, dann lЧt sich
jede sŠkulare allgemeine Erhšhung der Belastung in der Produktion nur durch
eine adŠquate VerŠnderung der BewŠltigungsstrukturen im Reproduktionsbereich
auffangen, wobei Reproduktionsbereich hier nicht nur der zeitlich und šrtlich
lokalisierte Bereich der Fall ist, sondern auch den der Reproduktion im
betrieblichen Alltag umfa§t (Pausenregelung, sanitŠre Anlagen, Kantinen, usw.).
Im Durchschnitt hat die fŸr das Leistungsverhalten
entscheidende zeitliche Verdichtung der Arbeit nachweisbar in erheblichen Ma§en
zugenommen. Allerdings muss die Steigerung der Leistung nicht gleichbedeutend
mit einer Erhšhung der Belastung sein. Inwiefern diese Steigerung der
Leistungsdichte zu hšheren Belastungen fŸhrt, hŠngt mit hoher
Wahrscheinlichkeit u. a. von dem materiellen und kulturellen Niveau sowie dem
Niveau der geforderten Affektkontrolle ab, das gesellschaftlich fŸr
durchschnittlich ertragbar gehalten wird (vgl Levines Studie, Ÿber den
internationalen Umgang mit Zeit).
Rindspachers Varianten des
Leistungs-Zurichtungs-VerhŠltnisses als Schaubild (siehe dazu ins Buch auf
Seite 262) verdeutlicht, dass Leistungssteigerung sowohl hinsichtlich des
allgemeinen gesellschaftlichen Leistungsniveaus wie auch einer Einzelperson
immer dann relativ unproblemtisch sein kann, wenn die Zurichtungsapparaturen
hierauf abgestimmt sind und dadurch bewirkt wird, dass sich die pathogenen
Folgen in Grenzen halten.