ARBEITSKULTUR vs. KULTURARBEIT

 

DIE KULTUR

ãKultur ist ein vom Standpunkt des Menschen aus mit Sinn und Bedeutung bedachter endlicher Ausschnitt aus der sinnlosen Unendlichkeit des Weltgeschehens. Sie ist es fŸr den Menschen auch dann, wenn er einer konkreten Kultur als Todfeind sich entgegenstellt und âRŸckkehr zur NaturÕ verlangtÒ (Max Weber)

Diskussion um Sinn und Bedeutung des Weltgeschehens

ãKultur ist Reichtum an Problemen.Ò (Egon Friedell)

 

 

Produktionsfaktor ARBEIT

 

ARBEIT

Wir brauchen unseren Kopf und unsere HŠnde. Wir entwickeln Ideen mit dem Kopf und entwerfen diese Ideen als Konzepte mit den HŠnden auf Papier, was wiederum Kapital darstellt. Wir steuern Maschinen (gehšren zum Produktionsfaktor Kapital) und arbeiten mit Menschen und Werkzeugen zusammen. All das verlangt von uns physischen, wie psychisch-geistigen Aufwand. Dieser Aufwand ist ein Faktor, der sich mit dem Boden bereits multiplizieren lie§e. Z. B. grabe ich mit den HŠnden Kartoffeln aus dem Boden. Das Produkt, das ich erhalte ist eine Kartoffelsammlung, die ich roh verzehren kšnnte, um Hunger zu stillen. Appetitvoller wŠren diese beiden Produktionsfaktoren, wenn sie mit einem weiteren und letzten der gegebenen Produktionsfaktoren multipliziert werden wŸrden und zwar dem

 

 

 

Das DREI-SEKTOREN-MODELL

(nach Forrastier)

Die Wirtschaft und damit die Kultur eines Volkes baut auf drei Sektoren:

agrarischer Sektor (Landwirtschaft)

Viele LŠnder der Welt erwirtschaften die meisten GŸter im Ackerbau. Je geringer die Landwirtschaft, desto hšher das ErnŠhrungsproblem.

Der Landwirtschaftsbetrieb ist ein hartes GeschŠft. Nutztiere mŸssen gepflegt und verwertet werden, LŠndereien mŸssen gepflegt und gesetzt (erschlossen) werden. Ackerbau und Viehzucht sind die globalen Oberthemen des landwirtschaftlichen Sektors.

Themen wie Export, Import, Subventionen und internationale Handelsabkommen bewegen diesen Sektor auf dem Markt.

Forschung und Entwicklung gerade im Bereich der Gentechnologie sollen den weltweiten Anbau erhšhen.

industrieller Sektor

Die Industrie reicht von der Automobilindustrie bis Ÿber die Pharmaindustrie hin zur Unterhaltungsindustrie.

Der industrielle Sektor wird im Wesentlichen durch zwei Aspekte unterschieden:

a)  herstellende Industrie

b) weiterverarbeitende Industrie

 

Die Autoindustrie beispielsweise ist eine weiterverarbeitende Industrie, da sich die Automobilhersteller von ihren Zuliefererfirmen beliefern lassen und ein Automobil quasi ãnur nochÒ am Flie§band mithilfe von Mensch und Maschine zusammensetzen.

Dienstleistungssektor

Dieser Sektor ist nach Fourrastier ein recht ãjungerÒ Sektor. Im Bezug auf die moderne Dienstleistungsgesellschaft gesehen, mag das sicherlich zutreffen.

Angesichts jedoch der Tatsache, dass bereits vor der Industrialisierung Handwerk betrieben wurde, ist es selbstverstŠndlich, dass diese Branche zu den ersten Dienstleistungen (Service) der Menschheitsgeschichte zŠhlt.

Zu diesen Dienstleistungen gehšrt auch die Kunst, aber auch die Medizin, solange wir damit nicht auch auf den Pharmabereich zu sprechen kommen, der wiederum zum industriellen Sektor gehšrt.

 

 

 

DIE NATUR

ãWenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine BestŠubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr...Ò (Albert Einstein)

Die Arbeit

W (Arbeit) = F (Kraft) * s (Weg)

Der Begriff Arbeit wird im Alltag vielfŠltig gebraucht. Wir sprechen von Maschinenarbeit, Handarbeit, Schreibarbeit, Rechenarbeit, Lesearbeit, Stromarbeit, kšrperlicher und geistiger Arbeit.

GefŸhle der ErmŸdung und Anstrengung verwenden wir im Alltag als Ma§ fŸr die Schwere und Grš§e einer Arbeit.

In der Physik ist die Bedeutung des Wortes ãArbeitÒ genauer festgelegt: ãArbeit wird nur dann verrichtet, wenn eine Kraft auf einen Kšrper einwirkt und sich der Kšrper dabei um eine bestimmte Strecke verschiebt.Ò

Unterschieden wird dabei zwischen Hubarbeit, Beschleunigungsarbeit und Spannungsarbeit.

Hubarbeit

Wird ein Kšrper in die Hšhe gehoben, so muss eine Kraft F aufgewendet werden, die gleich gro§ wie das Gewicht des Kšrpers ist, aber entgegengesetzt wirkt. Der entsprechende Weg s ist die Hubhšhe h:

W (Hubhšhe) = masse * gewicht * hšhe

Masse = Dichte * Volumen

Volumen = FlŠche * Hšhe

Dichte (Rho) = Masse / Volumen

 

Die Dichte (Raumdichte, Massedichte, spezifische Masse, density), Formelzeichen r (rho), ist der Quotient aus Masse m und Volumen V (r=m/V) d.h. ãMasse pro VolumenÒ. Die Dichte ist der Zahlenwert der Massenkonzentration. Die gesetzliche Einheit ist kg/m3, gebrŠuchlich ist auch g/cm3. Der Kehrwert der Dichte 1/r  hei§t  spezifisches Volumen (specific volume).

Ein Joule ist gleich der Energie, die benštigt wird, um:

á      Ÿber die Strecke von einem Meter die Kraft von einem Newton aufzuwenden oder

á      fŸr die Dauer einer Sekunde die Leistung von einem Watt aufzubringen (das ist in etwa die Leistung vom menschlichen Herz).

 

Unter normalem atmosphŠrischem Druck von 1013,25 hPa wird ein Gramm Wasser von 14,5 auf 15,5 ¡C (von 287,65 auf 288,65 Kelvin) erwŠrmt, wenn man eine Energie von 4,1868 Joule (frŸher 1 Kalorie) zufŸhrt.

 

Formel zur Berechnung 1 Joule

(siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Joule)

Volumenberechnung eines Quaders

 

Formel zur Volumenberechnung eines Quaders

 

Aufgabe:

Die zentrale Lage innerhalb Europas und die gute Infrastruktur um Duisburg herum haben dazu gefŸhrt, dass jŠhrlich 46 Millionen Tonnen Ladung auf 31.000 Schiffen umgeschlagen werden, was den Rhein-Ruhr Hafen zum grš§ten Binnenhafen der Welt macht.

a)  Angenommen alle Container haben eine Breite von 2,5 m, eine Tiefe von 4 m und eine Hšhe von 2,30 m. Welches Volumen in Kubikmetern haben alle 31.000 gleichgro§en Schiffe zu bieten, damit 46 Millionen Tonnen GŸter gleichmЧig auf alle Schiffe verladen werden kšnnen? Wieviel Liter Wasser fasst jeder Container?

b) Wieviel Container werden unter dem Gesichtspunkt a) verladen? Wieviel Schiffe unter Bedingung a) braucht es, um die GŸtercontainer komplett vom HafengelŠnde entfernen zu lassen, wenn ein Schiff das Ladungsgewicht von 300.000 kg nicht Ÿberschreiten darf

c)  R(h)ein gefŸhlsmЧig wissen Sie als Steuermann im Stra§engŸterverkehr sicherlich selbst, welche Transportmaschinen zum Lšschen der Containerladung nštig sind. Wissen Sie es auch r(h)ein rechnerisch? Okay, dann bestimmen Sie bitte die zu verrichtende Hubarbeit in Kilo-Joule, die nštig ist, um einen Container anzuheben.

 

 

 

Beschleunigungsarbeit (Kinetische Energie)

Die Arbeit, die zur †berwindung der TrŠgheit aufgewendet wird hei§t: Beschleunigungsarbeit:

Wb = Masse * Geschwindigkeit (v) zum Quadrat geteilt durch 2

 

Aufgabe:

a)  Sie erwarten ein Frachtschiff aus Rotterdam. Die Ladung soll in Duisburg gelšscht werden. Die 250 km lange Strecke legt das Binnenfrachtschiff ãGoy FackÒ mit einer Geschwindigkeit von  9,12 Knoten (1 Knoten = 0,536 km) zurŸck. Die Goy Fack verlŠsst den Hafen Rotterdam an einem Dienstag um 7 Uhr morgens. Wann legt die Goy Fack im Hafen Duisburg an, wenn die Wasserfahrt ohne ZwischenfŠlle und mit drei Stopps von insgesamt exakt 349 Minuten verlŠuft? Bitte nennen Sie den Tag und die Uhrzeit!

 

Spannungsarbeit

Um einen Gegenstand um die Strecke x zu dehnen, muss man die Kraft F = k * x ausŸben. Die Spannungsarbeit ist:

Ws = k * x hoch 2 geteilt durch 2

Hier benštigen wir ein Naturgesetz, welches Robert Hooke, ein englischer Physiker, Mathematiker, Entdecker (z. B. die Zellen in Pflanzen) und Erfinder bereits vor fast vierhundert Jahren formulierte und das besagt, dass elastische Kšrper ihre ursprŸngliche Form annehmen, sobald die verformende Kraft nicht mehr wirkt. Plastische Kšrper bleiben im verformten Zustand. Damit schuf Hooke die sogenannte Federkonstante (Klein k ist auch unter gro§ D gelŠufig) und formulierte sie im Hookeschen Gesetz. Das Gesetz von Hooke beschreibt die Wirkung einer Kraft auf elastische Kšrper (dies sind solche, die nach der Belastung in ihre ursprŸngliche Lage zurŸckgehen).

 

Grafische Darstellung zur Wirkung des Hookeschen Gesetzes

 

 

Hinweise:

á      Mit Δ bezeichnet man in der Physik Differenzen zwischen zwei gleichartigen physikalischen Grš§en:

 

Δ x = Endwert einer LŠnge - Anfangswert einer LŠnge

Δ F = Endwert einer Kraft - Anfangswert einer Kraft

á      Δ x ist auf keinen Fall mit der FederlŠnge zu verwechseln.

á      Der GŸltigkeitsbereich des hookschen Gesetzes ist (wie der eines jeden physikalischen Gesetzes) beschrŠnkt. So kann man nach Hooke z. B. nicht die VerlŠngerung einer in der Schule Ÿblichen Schraubenfeder berechnen, wenn man sie mit 4 000 N belastet.

á      Bei vielen Aufgaben ist die Masse m des Kšrpers gegeben, mit der die Feder zusŠtzlich belastet wird. Um das Gesetz von Hooke anwenden zu kšnnen, mŸssen Sie zuerst die Gewichtskraft Fg des Kšrpers nach der Beziehung Fg = m * g berechnen. Dabei bedeutet g den Ortsfaktor (g È 10 N/kg).

 

Aufgabe:

Eine unbelastete Feder der LŠnge xo=15cm wird bei einer Belastung von F1 = 0,60 N auf die LŠnge x1 = 25 cm gedehnt.

1.  Berechnen Sie die FederhŠrte D der Feder.

2.  Mit welcher Kraft F2 muss man an der Feder ziehen, damit sie dann eineinhalbmal so lang ist, wie im unbelasteten Fall.

3.  Mit obiger Feder soll ein geeichter Kraftmesser gebaut werden. Wie weit (Strecke Δ xÕ) muss die Markierung der HŸlse fŸr F3 = 0,40 N vom unteren Ende der HŸlse entfernt sein?

4.  Nennen Sie zwei GrŸnde, die gegen die Verwendung eines ãGummikraftmessersÒ sprechen.

 

Grafische Darstellung der Zugkraft

 

 

Lšsung:

 

Berechnung der Zugkraft

 

d) Der Gummikraftmesser hat i. d. R. keine lineare Einteilung. Au§erdem geht er bei Entlastung nicht mehr zurŸck in seine Ausgangsposition

 

Aufgabe:

†ber die Meere werden – nach Frachtgewicht berechnet – 92 Prozent aller WelthandelsgŸter transportiert. Das entspricht etwa 5,7 Mrd. Tonnen jŠhrlich. Wieviel Tonnen bleiben fŸr den GŸtertransport in der Luft, auf den Schienen und Stra§en jŠhrlich Ÿbrig?

 

Angenommen, ein Stapel 5-Euroscheine misst 216,5 mm. Wie viel Euro mŸssen Sie dazu verdienen, um den Stapel FŸnf-Euroscheune auf insgesamt 25 cm Hšhe zu bugsieren? Angenommen sei, dass ein FŸnf-Euroschein einen halben Millimeter dick ist.

 

LEBEN WIR UM ZU ARBEITEN? ARBEITEN WIR UM ZU LEBEN?

EIN LEBEN UNTER ZEITDRUCK

 

Aufgabe:

10 zu bedenkende Punkte Ÿber Ihre Verhaltensweise zum inneren Zeitdruck:

 

1. Interesse an der Uhrzeit

qgro§ (15) qmittel (10) qniedrig (5) qkeine (9)

 

2. Redemuster (Wie hastig sprechen Sie?)

qsehr schnell (27)  qschnell (18) qnormal  (5) qlangsam (1)

 

3.     Essverhalten

qFast Food (3) qmindestens eine warme Mahlzeit pro Tag (8) qkein FrŸhstŸck  (2) qimmer wenn der Hunger kommt (4)

 

4.     Gehgeschwindigkeit

qmindestens 2 Schritte pro Sekunde (25) qmanchmal rennend  (9) qnie rennend  (6) qschlurfend (0)

 

5. Fahrverhalten

qvogelkastenfotogen (5) q†berholspurraser (7)  qempfohlene Richtgeschwindigkeit  (11) qempfohlene Hšchstgeschwindigkeit (12)

5.     ZeitplŠne

 

qnur nach Terminkalender (15) qaufgeschoben ist nicht aufgehoben  (12) qkommste heute nicht kommste morgen (0) qImprovisationskŸnstler (3)

6.     Nervšse Energie

 

qkein Problem mit langem Warten auf Amtsfluren und Wartezimmern  (7) qkurze Wartezeit und ich bin weg  (8) qwenn ich um 5 Uhr dran bin, dann komme ich auch um 5 Uhr dran (15)  qauf mich kann man lange warten (5)

8. Gehen Sie manchmal wieder, wenn Sie auch nur mit kurzen Wartezeiten rechnen mŸssen?

qauf jeden Fall  (10) qje nach meinem Tagesablauf, kann das vorkommen (15) qda wŠre ich ja blšd  (2) qich warte gern auf die Dinge, die da kommen (0)

9. Warnsignale: Geben Ihnen andere den Rat, langsamer zu machen?

qnicht wirklich (15) qmanchmal (8)  qnie (3) qnur (10)

 

bis 23

Sie meinen wohl, so wie es ist kann es bleiben und wenn Sie einen Wunsch frei hŠtten, dann sollte sich nichts verŠndern. Sie bringt so schnell nichts aus der Ruhe, abgesehen vielleicht von Ihrem eigenen Alterungsprozess, der Sie beunruhigt und immer wieder vor der Erkenntnis stellt, dass das Leben wohl doch nicht immer so weiter geht. Sie wissen das genau und sind deshalb in der Warteschleife. Man kšnnte den Eindruck gewinnen, Sie wŸrden auf den Messias warten.

23 bis 45:

Sie sind ein Mystiker der Zeit. An Ihnen scheint einiges Abzuprallen. Nicht jedes Ereignis ist fŸr Sie gleich wichtig. Sie leben nach dem Komme-was-wolle-Prinzip, was nicht fŸr Sie hei§t, dass Ihnen alles egal ist. Sie wissen halt, dass sich einige Dinge nicht Šndern lassen und kšnnen damit leben, nutzen aber zugleich auch gewisse Vorsprungschancen aus und stellen diese als gott- bzw. schicksalsgegeben dar. Das ist nicht ganz fair, da Sie langsameren Mitmenschen wenig Chancen geben, stimmtÕs?

46 bis 90:

Sie registrieren wenigstens noch den Rat von Freunden, Verwandten und Bekannten langsamer gehen zu lassen. Sie stecken voller Ungeduld und wŠren so gern perfekt in jeder Hinsicht. Sie lassen andere nicht warten und erwarten das genau auch von Ihrer Umgebung. Sie nehmen sich noch nichtmal die Zeit fŸrs FrŸhstŸck. Woher auch? Denn den Tag durchzuplanen wollen Sie nicht, weil er fŸr Sie manchmal wie ausschlie§lich fremdbestimmt wirkt.

Sie selbst aber meinen, Sie kšnnen Einfluss auf die Terminplanung anderer nehmen. Lassen jedoch selbst nur ungern Einfluss auf Ihren Tag zu. Sie nehmen es hin, dort wo es nštig ist. Ansonsten reagieren Sie grantig, wenn man Ihnen TagesablŠufe vorschreiben soll. Selbst wenn es das eigene Wohlbefinden so will.

91 bis 135:

Sie sind einfach nicht zu stoppen und auch nicht zu toppen. Nichts und niemand kann Sie aufhalten! Nichteinmal Ihr Arzt! Sie merken kaum noch, dass Sie auf der †berholspur zuhause sind. Sie sind ein Mensch, bi dem ãdas GefŸhl, unter Zeitdruck zu stehen, extrem und zur Gewohnheit wird – und Sie sich gezwungen fŸhlen, sich auch ohne echten Šu§eren Zeitdruck stŠndig zu beeilen -, dann fŸhrt das unter UmstŠnden zu Symptomen, die Diane Ulmer und Leonhard Schwartzburd, zwei Psychologen, die sich mit der Entstehung von Herzkrankheiten beschŠftigen, unter dem Namen Eilkrankheit zusammengefasst haben.Ò Also Vorsicht! Und eine Spur langsam, sonst werden Sie eines Tages noch zu einsam, wenn Ihnen keiner mehr folgen kann.

 

Die drei Symptome der Eilkrankheit

nach Ulmer und Schwartzburd

 

 

KAPITEL X

Timing your mind and minding your time

†bernehmen Sie die Kontrolle

 

Die zentralen Zeitinstitutionen der ãindustriekapitalistischen GesellschaftÒ sind die Chronometrische (in der Dauer) und Chronologische (in der Verteilung) Fixierung des Arbeitstags, der Arbeitswoche und des Arbeitsjahres = ãRahmen fŸr die soziale ZeitstrukturÒ.

D.h., neben der Dauer ist die Verteilung/Lage der Zeit im Tages-, Wochen-, Jahres- und Lebensverlauf bedeutsam fŸr die alltŠgliche Zeitgestaltung. (Garshammer)

Die Entstehungsbedingungen der abstrakten Zeit

ist eng an technischen, škonomischen und sozialen Wandlungen gekoppelt, die sich im †bergang vom Mittelalter zur Neuzeit vollzogen haben.

Folgende Bedingungen lassen sich festhalten:

Entwicklung der Handelskapitale und Entstehung des Kreditwesens

Entfaltung des Warenverkehrs und der Verkehrswege

Steigerung der Warenproduktion

Fortentwicklung der Arbeitsteilung

Strategie des MilitŠrwesens

Disziplin in den Klšstern

Protestantische Ethik

Disziplin in den Klšstern

Im klšsterlichen Leben entwickelten sich die ersten AnsŠtze zu einer bis dahin unbekannten Standardisierung und abstrakt-zeitlichen Organisierung des Tagesablaufes.

Die erste Uhr wurde angeblich im 10. Jahrhundert vom Mšnch Gebert erfunden; eine mit fallenden Gewichten betriebene Uhr.

Der Arbeitstag

Nicht Arbeitszeit bestimmte die Hšhe des Einkommens, sondern wenn ein ausreichendes Einkommen erzielt wurde, wurde die Arbeit abgebrochen. RegelmЧiges Arbeiten, PŸnktlichkeit, Ausdauer und die BeschŠftigung einer Arbeit Ÿber einen lŠngeren Zeitraum sind also Errungenschaften, die in den Fabriken und Manufakturen erst mŸhsam etabliert werden mussten. Gleiches galt fŸr die rŠumliche Trennung von Arbeit und Freizeit. Die Taschenuhr wurde mit der Industrialisierung von einem Luxusgegenstand zu einem Gebrauchsgut.

 

ZeitverstŠndnis und Zeitordnung

Die Zeit in Marienthal

Marienthal ist ein kleines Dorf in …sterreich bei Wien, das durch Massenarbeitslosigkeit betroffen war. Marie Jahodas Studie macht anhand dieses Ortes und seiner Bewohner das gleichzeitige Nebeneinanderbestehen von mehreren zeitlichen Bezugssystemen innerhalb einer sozialen Gruppe deutlich:

Der Arbeitslose (von Marienthal) ist nicht mehr im Stande, Ÿber alles, was er im Laufe des Tages getan hat, Rechenschaft zu geben. Nennen und aufzŠhlen lassen sich ausser den Orientierungspunkten (wie Essen und Schlafen) nur die wenigen sinnerfŸllten Handlungen am Tag (...)

Doppelt verlŠuft die Zeit in Marienthal, anders den Frauen und anders den MŠnnern. FŸr die letzteren hat die Stundeneinteilung lŠngst ihren Sinn verloren. Hingegen sind die Frauen nur verdienstlos, nicht aber arbeitslos im strengsten Wortsinn geworden (...)

Jahodas Zusammenfassung:

So zeigt sich im Gesamtverlauf wie im kleinen, dass die Marienthaler zu einem primitiveren, undifferenzierteren Zeiterlebnis zurŸckgekehrt sind: Es werden nicht die neuen VerhŠltnisse in das gewohnte Zeitschema eingeordnet, sondern es beginnt der Šrmer gewordenen Ereignis- und Anforderungswelt allmŠhlich eine Šrmere Zeitordnung zu entsprechen.

ProduktivitŠtsverstŠndnis und Technologie in der industriellen Zeitwirtschaft

Der zeitškonomische Gehalt des industriellen ProduktivitŠtsbegriffs

Der gegenwŠrtige und gŠngige ProduktivitŠtsbegriff wird allgemein kaum angezweifelt. Obgleich die ProduktivitŠt nicht nur als ArbeitsproduktivitŠt zu verstehen ist, sondern als das Zusammenwirken der Faktoren Boden - Kapital - Arbeit (Land, Material, Maschinen und Menschen) konzentrieren sich die AusfŸhrungen faktisch jedoch auf die Frage der Effektivierung der industriellen Produktion und insbesondere auf die Behandlung von Zeit-Standards der Produktion bezogen auf Maschine und Mensch.

Zeit wird zur WŠhrung betrieblicher Arbeitsorganisation.

 

…konomie der Zeit und industrielle Technologie

Die Kontrolle Ÿber die Zeit ermšglicht es, die Leistung der Arbeitenden an bestimmte Zeitpunkte oder ZeitrŠume zu koppeln und Abweichungen hiervon zu sanktionieren.

Zeitškonomie meint nicht nur die Verschnellerung, sondern auch RegelmЧigkeit und ZuverlŠssigkeit, Abbau von zufŠlligen Hindernissen z. B. durch Natureinwirkungen (nonstochastic system), Abbau von Zeitschranken durch Zollkontrollen u. Š.

ProduktivitŠt und SynchronitŠt: Logistik

Sowohl im Transport- und Verkehrswesen als auch im Bereich der materiellen GŸterproduktion scheint die Entwicklung an einem Punkt angelangt zu sein, an dem die Erschlie§ung nennenswerter zeitlicher Ressourcen weniger von einer Verschnellerung zu erwarten ist als vielmehr von einer Minimierung der Ruhe-, Stillstands- und Ausfallzeiten von Aggregaten und Personal.

3.  Die zeitliche Organisation des industriellen Produktionsprozesses

Zeitškonomie in der Arbeit

Die Einsicht Benjamin Franklins, nach der Zeit Geld sei, entsprach das schon 1776 formulierte Ziel einer ãrationalisiertenÒ Arbeitsorganisation von Adam Smith:

Die gro§e Vermehrung in der QualitŠt des Erarbeiteten, die infolge der Arbeitsteilung die nŠmliche Zahl Leute herzustellen imstande ist, verdankt man dreierlei verschiedenen UmstŠnden: Erstens der gesteigerten Geschicklichkeit bei jedem einzelnen Arbeiter, zweitens der ersparten Zeit, welche gewšhnlich bei dem †bergange von einer Arbeit zur anderen verloren geht, und endlich der Erfindung einer ganzen Menge von Maschinen, welche die Arbeit erleichtern und abkŸrzen und einen einzigen Menschen imstande setzen, die Arbeit vieler zu verrichten.

Geschicklichkeit meint also nicht so sehr die Verbesserung der Qualifikation, sondern die vorgabezeitkonforme Erledigung einer qualifizierten Aufgabe.

 

Kompetenzstufen

In wieweit ein Individuum, der ihm gestellten Aufgaben in zeitlicher Hinsicht gewachsen ist, hŠngt von einem Faktor ab, der hier als Stufe der Kompetenz bezeichnet werden soll:

ungerichtet-chaotisches Handeln

strukturiert-rigides Handeln

kontrolliert-bedŸrfnisgerechtes Handeln

 

Verlust zeitlicher Kontrollkompetenz

Diese strukturbedingten, Die zielgerichtet nach Kriterien der Zeitškonomie gestaltete VerŠnderung des Produktionsprozesses erfolgte im Zuge einer Bewegung, die gemeinhin als Taylorisierung des Arbeitsprozesses bezeichnet wird.

mehr oder weniger stark ausgeprŠgten VerhaltenszwŠnge oder, anders ausgedrŸckt, die kleiner werdenden zeitlichen OptionsspielrŠume stellen die Enteignung eines wesentlichen Teils der gesamten individuellen Handlungskompetenz dar. Eine Ÿber ein gewissses Ma§ hinausgehende Anhebung des Leistungsniveaus hšhlt Handlungs- und Entscheidungskompetenzen als solche in einem langsamen Erosionsprozess aus. Sie werden ersetzt durch strukturelle ZwŠnge. So bleibt unter einem wie auch immer hergestellten Zeitdruck von einem bestimmten Punkt an kaum noch die Mšglichkeit zu kontrolliert-bedŸrfnisgerechtem Handeln, sondern tendenziell nur noch die Mšglichkeit zu rigiden oder - falls dies aufgrund der Persšnlichkeit nicht durchfŸhrbar ist - i. d. R. zur chaotischen Organisation des Familienalltags.

Die Leistungsspirale

Je stŠrker die Leistungskontrolle im Unternehmen und je intensiver die Arbeit ist, desto mehr muss der Reproduktionsbereich vom Individuum und seinem sozialen Umfeld daraufhin orientiert und organisiert werden

 

Taylor und die Nachfolger

Die Objektivierbarkeit von ãNormalleistungÒ in einem Betrieb ist nach Taylors Auffassung nur durch eine Arbeitsorganisation zu erreichen, die unabhŠngig von dem Willen oder der WillkŸr der Vorgesetzten aus sich heraus mit zwingender zeitlicher Notwendigkeit funktioniert und die von jeder moralischen Problematik entkoppelt ist.

Die Stoppuhr, nach der einzelne Arbeitsschritte zeitlich gemessen werden, ist ein instrumentelles Resultat dieser †berzeugung. Diese wissenschaftliche BetriebsfŸhrung von Taylor Anfang des vorherigen Jahrhunderts entwickelt wurde nach dem 1. Weltkrieg vom ãReichsausschu§ fŸr ArbeitszeitermittlungÒ, kurz REFA, weitergefŸhrt und in die Praxis umgesetzt. Der Geldakkord wurde gegen den Zeitakkord ersetzt.

Die Herstellung von Tempo, ZuverlŠssigkeit und Ausdauer

Eliminierung von LebensŠu§erungen aus dem Arbeitsprozess

Ohne industrielle Disziplin verliefe ein Arbeitsprozess sehr ãunrationellÒ; ArbeitstŠtigkeiten wŸrden bestŠndig von TŠtigkeiten der persšnlichen BedŸrfnisbefriedigung oder von sozialer Interaktion unterbrochen.

PŸnktlichkeit als Prinzip, als generalisierte Verhaltenserwartung soll etabliert werden. Die Stechuhr ist eine instrumentalisierte Folgeerscheinung zur †berwachung der Arbeitszeit geworden.

Lohn und Entlohnungsformen

Drei Perioden der Lohnformentwicklung lassen sich unterscheiden:

StŸcklohn

Zeitlohn

Leistungslohn

Anwesenheit vom Arbeitsplatz

RegelmЧigkeit der Arbeitsaufnahme

Festlegung der Dauer der Arbeitszeit

Festlegung der Lage der Arbeitszeit

Pausenregelung

Urlaub

Dauer der ArbeitsvertrŠge

Industrieller Leistungsbegriff

Leistung als Ersatz fŸr Gegenstandsinhalte

Der Leistungsbegriff wird dort relevant, wo Entscheidungen und Handlungen als zentrale verursachende Faktoren irdischer Menschheitsgeschichte und gesellschaftlicher Strukturbildung entdeckt wurden.

Die Geltung des Leistungsprinzips liegt in der zeitlichen Strukturiertheit von Handlungen in der industriellen Leistungsgesellschaft. Zeitliche Bedingungen prŠgten zunehmend das Handeln und die Erfahrung (Seyfarth). Zeit wird somit zu einem Substitut fŸr die Sachstruktur von Problemstellungen. Nach Luhmann gilt Leistung zunehmend als ein Prinzip der sozialen Organisation.

Anpassung an Zeitnormen als Leistung

Rhythmische Vergemeinschaftungsprozesse steigern erheblich die Produktivkraft der Arbeit, so dass durch eine bestimmte Art kooperativer Arbeit die Gesamtarbeitsleistung dieses Arbeitsorganismus mehr betrŠgt als die Summe seiner Teile. Dabei lassen sich organische Vergemeinschaftungen (vorindustrielle Epoche) von synthetischer Vergemeinschaftung unterscheiden.

Der biologische Rhythmus des Menschen und die lineare Zeitstruktur der Produktion

ZyklizitŠt und NormalitŠt

In Taylors Sinne wurde der Versuch unternommen, der biologischen ãUhrÒ des Menschen den linearen, gleichfšrmigen Takt von Maschine und Arbeitsorganisation einzugeben. Das Nicht-Kontrollierbare wird das ErklŠrungs- und BehandlungsbedŸrftige. Verstanden werden muss der Mechanismus einer Gesellschaft, die seit einigen Jahrhunderten die Beherrschung nicht nur der Šu§eren Natur, sondern auch der biologischen Funktionen jedes Individuums organisiert. Diese Beherrschung besteht wesentlich auch in der Kontrolle des Individuums gegenŸber seiner inneren (zeitlichen) ZyklizitŠt. Sie ist Teil eines umfassenden Systems der Affektkontrolle, dem der Mensch mit dem Fortschreiten des Zivilisations- und Industrialisierungsprozesses unterworfen wird (Elias).

Zeitgeber - die soziale Komponente des Biorhythmus

Der Hell-Dunkel-Rhythmus

Selbst bei langen Gewšhnungsphasen ist der Tagesrhythmus des Menschen nicht umkehrbar. Allerdings - wie sich aus dem Tierreich nachweisen lЧt - gilt nicht die Formel Hell = AktivitŠt und Dunkel = PassivitŠt als eine Naturkonstante.

Zeitgeber der Tagesperiodik

Bei Untersuchungen zur Biorhythmik beim Menschen, durchgefŸhrt von dem Physiologen Wever hatte sich gezeigt, dass ein Teil der biologischen Systeme von Šu§eren EinflŸssen kaum verŠndert, ein anderer sehr stark beeinflu§t wird. GrundsŠtzlich stellt der menschliche Kšrper eine SynchronitŠt zwischen diesen vielfŠltigen KreislŠufen und ZyklizitŠten her. Es bildet sich eine Tagesperiodik aus, in der die verschiedenen Rhythmen gleichgeschaltet sind, so dass die Spitze der AktivitŠt zusammenfŠllt mit der hšchsten Kšrpertemperatur, der hšchsten Kaliumausscheidung, dem hšchsten Grad an KonzentrationsfŠhigkeit u. a. m.

Desynchronisation

Die soziale Komponente wird in der Chronobiologie als Desynchronisationsvorgang bezeichnet; in einem biologischen Idealzustand herrscht eine harmonische Ordnung zwischen den unterschiedlichen Rhythmiken innerhalb des Organismus. Dieser Idealzustand wird jedoch nicht als ein dauerhafter Zustand angesehen, sondern stellt nur jeweils ein †bergangsstadium dar. Die innere Zeitstruktur des Organismus befindet sich also in einem labilen Gleichgewichtszustand zwischen Leistung und harmonischer Ordnung.

Zeitzonen

Die mit Zeitzonen befa§ten Forschungsarbeiten zeigen, dass bei den von der Zeitverschiebung betroffenen Personen nach einigen mehr oder weniger gravierenden Umstellungsprozessen, die variirend zwischen Sommer- und Winterzeit-Umstellung eine Woche bis 14 Tage andauern, Šhnlich wie bei Transatlantik- oder InterkontinentalflŸgen eine Anpassung an der Circadianrhythmik stattfindet. Allerdings stellt die Sommer-Winterzeit-Umstellung eine administrativ verordnete Anpassung des biologischen Systems bei unverŠnderten geophysikalischen Umweltbedingungen dar.

Chronohygiene

Unter Chronohygiene werden †berlegungen verstanden, wie bewu§te Steuerung zeitlicher AblŠufe im Arbeitsbereich Belastungen reduzieren und gesundheitliche SchŠdigungen vermeiden werden kšnnen. Chronohygiene ist somit das VerhŠltnis von Umwelt und Gesundheit.

Vermittelte SynchronitŠt: Die Uhrzeit

Das Individuum muss in der Lage sein, abzuschŠtzen, welche Sanktionen oder Gratifikationen ihm drohen oder winken, wenn es die ãZeichen der ZeitÒ nicht richtig deutet.

Die Struktur der biologischen Zeit

ãDer GestaltkreisÒ und ãGestalt und ZeitÒ sind Untersuchungen von WeizsŠcker, die belegen, dass bei der Bestimmung kšrperlicher VorgŠnge und des Biologischen allgemein der Faktor Zeit und die RhythmizitŠt biologischer Prozesse eine SchlŸsselrolle spielen.

Grundproblem dieser Untersuchung ist jedoch, dass biologische VorgŠnge sich nicht auf einem Zeitkontinuum abbilden lassen. Die physikalische Zeit ist also nicht die Zeit schlechthin, sondern eine bestimmte Form der Zeit.

Produktion unter BerŸcksichtigung der menschlichen Leistungskurve

Der Gegensatz von biologischer Uhr und der Uhr des Industriesystems wird zwar in den meisten arbeitswissenschaftlichen Eršrterung benannt; bei der konkreten Untersuchung von ArbeitstŠtigkeiten, wie sie im industrie-kapitalistischen System vorzufinden sind, wird dieser Gegensatz dann jedoch wieder biologisiert. Er wird entweder als unvermeidlich dargestellt, will man Fortschritte in der ProduktivitŠt erzielen, oder aber die Nichtbefolgung biorhythmischer Erfordernisse wird in ihren Auswirkungen bagatellisiert.

Der Dritte Zeiger: Die Arbeitsuhr

Der Dritte Zeiger symbolisiert die Leistungszeit.

Gebundene und ungebundene Arbeitsweise

Untersuchungen zur Flie§bandarbeit fŸhrten den Arbeitsphysiologen Graf zu der Erkenntnis, ãdass die zwangslŠufige Regelung des Arbeitsablaufes zu gewissen Schwierigkeiten fŸhrt insofern offenbar die LeistungsfŠhigkeit des Menschen zu verschiedenen Zeiten und besonders Tagesstunden nicht dieselbe ist.Ò

( vgl. Graf 1933, S. 333)

€hnlich wie Taylor, der kritisiert hat, dass eine spontan ablaufende, die optimalen Handgriffe nicht beherrschende und mit unregelmЧiger Energieverausgabung durchgefŸhrte Arbeitsweise das Gesamtergebnis der Arbeitsleistung eher verringert, weist auch Graf einem arbeitshygienisch gestalteten Pausenregime eine hohe Bedeutung fŸr die Erhaltung der ArbeitsfŠhigkeit zu.

Beseitigung der Hetzarbeit?

Hšchster Nutzeffekt (der Arbeitszeit) kann auf die Dauer nur erzielt werden durch Arbeitserleichterung und Beseitigung von unnštigen Hemmungen, nicht aber durch blo§en hšheren Energieeinsatz der leicht zum Raubbau wird. (Graf)

Pausenregelung nach biorhythmischen Erfordernissen

Unter kardinale Zeit versteht man die Dauer der ArbeitstŠtigkeit und ihre Lage im Tagesverlauf.

Das dem Belastungsverlauf entsprechende Pausenregime erhŠlt man dadurch, dass beim †berschreiten eines Erholungsbedarfs von 10 Minuten eine Pause von 6 Minuten Dauer zwischengeschaltet wird. (S. 70)

Allerdings folgen die Bewertungen der Arbeit z. B. hinsichtlich der physischen Anstrengungen ja nicht entsprechend der jeweiligen tatsŠchlichen LeistungsfŠhigkeit und den biologischen Rhythmen der einzelnen Arbeitsperson, sondern Šhnlich wie bei anderen Leistungsbewertungsystemen bezogen auf von den Betroffenen nicht selbst ermittelte Durchschnittsgrš§en und Erfahrungswerte fŸr alle Arbeitspersonen.

Flexible Fertigungssysteme

Flexible Fertigungssysteme werden verstŠrkt auch deshalb staatlich gefšrdert, um dem Ziel der ãunmanned factoryÒ in mšglichst kurzer Zeit nahezukommen. Sie stehen im Zusammenhang mit der Entwicklung von Industrierobotern, deren Vorzug ebenfalls u. a. in der erhšhten FlexibilitŠt und der vergrš§erten Einsatzbreite gesehen wird, die bei Kleinserienproduktion und geringer Losgrš§e besonders rationell ist.

Nicht allein die Lohnformen und die škonomischen Rahmenbedingungen der Arbeit bestimmen den Umgang mit den durch das technische System eršffneten HandlungsspielrŠumen, sondern auch die Arbeitssozialisation, der erlernte Umgang mit den Arbeitsbedingungen und ihren Folgewirkungen und somit auch den ZeitzwŠngen der Arbeit.

Variable Arbeitszeiten

Bei variablen Arbeitzeiten geht man von einem individuell verschiedenen Verlauf der Tagesrhythmik aus. Was zŠhlt ist die individuelle Leistungskurve.

Hildebrandt-Untersuchungen:

Humanisierung und Wirtschaftlichkeit sollen konzeptionell wieder miteinander verbunden werden

eine Verschiebung von Arbeitsbeginn, Mittagspause und Arbeitsende kann das ãAngebot an LeistungsbereitschaftÒ verbessern helfen, ohne dass die Zahl an Arbeitsstunden geŠndert wird

hšhere Leistungsbereitschaft der einzelnen Personen bei einer variable gestalteten Arbeitszeitregelung

Anpassung an die Leistungskurve?

Die AnsŠtze zu biorhythmisch orientierten Produktionsverfahren mŸssen auch als der humane Teil der wissenschaftlichen Arbeitsorganisation verstanden werden, die bemŸht ist, den industriellen Produktionsprozess mšglichst in seiner Gesamtheit unter die Kontrolle des Managements zu bringen.

Individuelle Schlupfwinkel und Strategien der ArbeitszurŸckhaltung, etwa bei gelegentlichen Leistungstiefs, bei Krankheit, bei Depressionen u. Š. werden strukturell unmšglich. Die Beurteilung der Gesamtleistung des Arbeitnehmers in einzelnen Phasen und im Durchschnitt wird hierdurch erleichtert.

Die Schwierigkeit der Anpassung von Arbeitsstrukturen an die Biorhythmik des Menschen ist vorwiegend in der zeitwirtschaftlichen Organisiertheit der industriellen Arbeit zu suchen.

4.  Zeitordnung, Zeitnormen und Arbeitszeit als Belastungsfaktor

€u§ere zeitlich Rahmenbedingungen des industriellen Alltags

Der industrielle Alltag ist ein engmaschiges doppeldeutiges Geflecht zeitlicher Anforderungsstrukturen: einerseits schŠrnkt es den handlungsspielraum ein, weil es an zeitlich fixiertes Handeln gebunden ist, andererseits bietet dieses Geflecht auch eine Entlastung von Entscheidungsnotwendigkeiten.

…ffnungszeiten

Einzelhandel

Von rund 65 Prozent der Konsumenten (also nicht nur der BerufstŠtigen) werden die tŠglichen Lebensmittel in der NŠhe der Wohnung eingekauft, von 13 Prozent in der NŠhe des Arbeitsplatzes und von 14 Prozent auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, der Rest verteilt sich auf andere Standorte.

…ffnungszeiten von Behšrden und Institutionen

Dass ein erhšhter Bedarf an Sprechstunden und …ffnungszeiten besteht, die an der Lebens- und Arbeitssituation ausgerichtet sind, zeigt die EinfŸhrung von SpŠtsprechstunden in einigen Hauptverwaltungen.

Zeitverbrauch Haushaltsproduktion

Akteure in der Haushaltsproduktion verhalten sich entsprechend dem bereits formulierten Gesetz des konstanten Zeitvolumens.

RŠumliche MobilitŠt

Bedingungsfaktoren der MobilitŠt

Der Zwang zur rŠumlichen MobilitŠt hat sich wesentlich vergrš§ert. Die Entwicklung geht nach einer Wiener Studie zu einer stŠrkeren Verbreitung mittlerer ArbeitsweglŠngen. Sehr lange Arbeitswege werden gemieden, aber auch kurze Arbeitswege sowie Fu§wege kommen nur selten vor.

Entfernung und Geschwindigkeit als strukturelle Gewalt

Die Expansion des Transportwesens stellt in mehrfacher Hinsicht eine Form der strukturellen Gewalt dar. Zum einen, indem die Teilhabe an ãTransportÒ - Personen wie GŸtertransport - fŸr das Individuum faktisch zu einem Zwang wird, dem es sich nur um den Preis seiner sozialen Benachteiligung entziehen kann. Zum anderen reproduzieren und verdoppeln sich soziale Ungleichheiten.

Es verkŸmmern die FŠhigkeiten des Kšrpers zur Fortbewegung, wŠhrend andererseits das Transportwesen insgesamt nicht effektiver wird (Staus, verspŠtete ZŸge, ect.)

Roberts Schluss aus der †berlegung, dass die MobilitŠtsbereitschaft unter entwickelten industriell-kapitalistischen Bedingungen eine Strukturnotwendigkeit darstellt, ist, dass die Behandlung von Wegezeiten als unbezahlte Privatzeit des Arbeiters eine Form des Zeit-Diebstahls darstellt.

Das Raum-Zeit-Modell

Es zeige sich bei der Darstellung im Raum-Zeit-Modell, dass die hoheitlich verfŸgten und kontraktlich festgelegten Zeitpakete (…ffnungszeiten von šffentlichen Institutionen wie Schulen u. Š., Arbeitszeiten) noch einige sogenannte ãZeitfensterÒ, das sind ungenutzte Zeitintervalle, Ÿbrig lie§en, die es bei einer Organisation des Alltagslebens optimal zu nutzen gelte.

Haegerstrand nennt drei Ristriktionen, die die Menge mšglicher Handlungen begrenzen:

capability constrains (z. B. Zeit fŸr Nahrungsaufnahme)

coupling constrains (abgesehen von der Telekommunikation braucht die Kontaktaufnahme zu anderen Zeit fŸr eine rŠumliche DistanzŸberwindung)

authority constrains (Zeitbarrieren wie …ffnungszeiten, Einla§gebŸhren, Qualifikationserfordernis oder territoriale VerwaltungszustŠndigkeiten)

Zeit-Planung

Das Raum-Zeit-Modell nach Matzner et al. ist seiner Intention nach kein Instrumentarium fŸr die individuelle Zeitplanung einer Familie, sondern ein Mittel zur Erfassung von Restriktionen im Bereich des raum-zeitlichen Alltagshandelns der Familie. Allerdings lЧt sich auch darŸber spekulieren, ob mit dem Voranschreiten von Heimcomputern ein solches Optimierungsmodell fŸr das Versorgungshandeln und die FreizeitaktivitŠten eines grš§eren Familienhaushalts Anwendung finden kšnnte.

Arbeitszeit als Zeitrestriktion

Inwiefern bedingen Arbeitszeiten und Arbeitszeitregelungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zeitliche, sachliche oder soziale Restriktionen, die zu Hemmungsfaktoren fŸr die Entwicklungschancen von Individuen und ihren sozialen Bezugsgruppen werden?

Zeitrestriktion durch Dauer der Arbeitszeit und arbeitsgebundene Zeit

Effektive Arbeitszeit, †berstunden, Kurzarbeit

Der Statistik des Instituts fŸr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zur Folge ist die Jahresarbeitszeit der Arbeitnehmer durchschnittlich um 370 Stunden auf 1714 Stunden, also um gut ein Sechstel, zurŸckgegangen. Die Mehrarbeitsstunden schwanken stark mit dem Konjunkturzyklus, zeigen aber keinen auffŠlligen Trend. Allerdings ist auffŠllig, dass in den letzten Jahren die Kurzarbeit und eine anhaltende Verringerung von Mehrarbeitsstunden eine gewisse arbeitsmarktpolitische Pufferfunktion gehabt haben. Der Krankenstand weist prozyklische Schwankungen auf, folgt aber sonst keinem Trend.

31 Prozent der Akademiker und Manager arbeiten mehr als 45 Stunden die Woche, BŸroberufe oder soziale Dienstleistungsberufe liegen bei 11,3 bzw. 9,8 Prozent dieser Mehrarbeiter. Dazwischen befinden sich die manuellen Industrie- und Handwerkerberufe. UngefŠhr 80 Prozent der Angehšrigen dieser Berufsgruppe arbeiten zwischen 35 und 43 Stunden. 16 Prozent mehr als 45 Stunden.

TeilzeitbeschŠftigung und FlexibilitŠt der Arbeitszeit

Das FŸr und Wider von Teilzeitarbeit ist in der gegenwŠrtigen politischen Auseinandersetzung vor allem aus gesellschaftspolitschen wie auch aus frauen- und familienpolitischen GrŸnden heftig umstritten. GegenwŠrtig arbeiten etwa 8,3 Prozent der ErwerbstŠtigen, Ÿberwiegend Frauen, in TeilzeitbeschŠftigung. Die PrŠferenz liegt in der Vormittagsarbeit. Die meisten Mischformen von Teilzeitarbeit und flexiblen Arbeitszeiten finden sich im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel.

Die verŠnderten ArbeitszeitbedŸrfnisse auf der einen Seite und die VerŠnderung der tatsŠchlichen Arbeitszeit auf der anderen, etwa in Form von Kurzarbeit, zwangsweiser HalbtagsbeschŠftigung, aber auch von †berstunden im gleichen Betrieb laufen parallel, ohne dass ein arbeitszeitlicher Ausgleich zwischen den BeschŠftigten erfolgt. Arbeitnehmer mit meist hšherer Qualifikation, die nach Verringerung ihrer Arbeitszeit streben und auch Einkommensverluste hierfŸr in Kauf zu nehmen bereit sind, haben Schwierigkeiten, entsprechende ArbeitsplŠtze zu finden, wŠhrend andererseits Kurzarbeiter in Industriebetrieben zumindest aufgrund ihrer Einkommenslage in der Regel Vollzeitarbeit oder sogar †berstunden bevorzugen, aber weniger zu arbeiten gezwungen sind.

Arbeitsdauer und UnfallhŠufigkeit

Auffallend hŠufig ist die UnfallhŠufigkeit in der FrŸhschicht. Leistungsschwankungen und spezifische Arbeitsbelastungen, wie Arbeit unter Termindruck sind die besonderen Risikofaktoren zur UnfallhŠufigkeit. Ein Zusammenhang zwischen Arbeitsdauer und UnfallhŠufigkeit besteht nicht nur zur Mehrarbeit, sondern auch zu den WegeunfŠlle.

Lage der Arbeitszeit

Schichtarbeit

Ebenso wie die Dauer der Arbeitszeit strukturiert auch deren Lage in entscheidender Weise das Zeitbudget von Individuum und Familie oder sozialer Bezugsgruppe.

Ursache und Verbreitungsgrad

3 Ursachen fŸr die Existenz von Schichtarbeit:

technische Herstellungsverfahren (chemische Industrie, HŸttenwerke, etc.)

soziale Notwendigkeit (Krankentransporte, Polizei, etc.)

škonomische GrŸnde (kapitalintensive ProduktionsstŠtten)

Gesundheitliche Risiken

VorschlŠge zur Verbesserung der Lebenssituation der BeschŠftigten in Schichtarbeit:

á      EinfŸhrung von Tag-, Nacht- und Wochenendbetreuung in Kinderhorten

á      bevorzugte Belieferung mit bestimmten Dienstleistungen

á      FrŸh- und SpŠtverkaufsstellen im Wohngebiet, sowie angepasste …ffnungszeiten von Bibliotheken, Kinos, Freizeitzentren und SportstŠtten; Verlegung von politischen und kulturellen Veranstaltungen auf Schichtarbeiter zugŠnglichen Zeiten

á      Wiederholung des abendlichen Fernsehprogramms am Vormittag

á      Zuweisung besonders lŠrmgeschŸtzter Wohnungen

á      VerlŠngerung des Urlaubs und vorrangige Vergabe von FerienplŠtzen und vorbeugende Erholungskuren

á      Einstellung der betrieblichen und au§erbetrieblichen Qualifizierungsma§nahmen

 

KapazitŠtsorientierte variable Arbeitszeit

Im Zuge der Rationalisierungsma§nahmen ist in verschiedenen Branchen und Sektoren eine Tendenz zu beobachten, VollzeitarbeitsplŠtze in TeilzeitarbeitsplŠtze umzuwandeln, um einen flexibleren Personaleinsatz zu ermšglichen.

Das Hauptproblem besteht jedoch nicht unbedingt in der VariabilitŠt der Arbeitszeiten als solcher, sondern darin, dass unter den herrschenden Bedingungen die Struktur des Arbeits-Zeitbudgets weitgehend von der Arbeitgeberseite bestimmt wird.

Flexibilisierungstendenzen im Zuge neuer Technologien

Insbesondere in der Werkzeughandhabung besteht die Gefahr, dass sich die Arbeitsinhalte an den verbleibenden ArbeitsplŠtzen verringern und inhaltsleere ResttŠtigkeiten die Arbeit kennzeichnen. Ausserdem besteht das Risiko eines weiteren Entzugs der Kontrolle Ÿber die Zeit durch den Einsatz neuer Technologien, wenn der rein technischen und škonomischen Logik die BedŸrfnisse und Reproduktionserfordernisse der BeschŠftigten nicht stŠrker entgegengehalten werden.

Zeitliche Belastungen im Betrieb

Nach Volksholz lassen sich deutliche ZusammenhŠnge herstellen zwischen der Belastungssituation und den Lebens- bzw. Konsumgewohnheiten:

á      Arbeitnehmer an ArbeitsplŠtzen ohne Belastungskomplexe rauchen und trinken weniger hŠufig

á      An ArbeitsplŠtzen mit Belastungskomplexen wird mehr geraucht, bei MŠnnern - mit Ausnahme der in Schicht- und Nachtarbeit tŠtigen - auch mehr getrunken. Die arbeitsplatzspezifischen Rauch- und Trinkunterschiede sind bei MŠnnern sehr deutlich: ArbeitsplŠtze mit Arbeitserschwernissen und kšrperlich schwere Arbeit wirken als VerstŠrker des Nikotin- und Alkoholkonsums

 

Arbeitsstrukturen und die Belastung durch die betriebliche Zeitstruktur kšnnen mittelbar vermutlich zu koronaren Herzkrankheiten, Erkrankungen des Magen- Darmtraktes u. a. fŸhren.

5.  Auswirkungen von Arbeitsbelastungen auf die Struktur des Zeitbudgets

Kontrolle Ÿber Zeitstrukturen

Kontrolle Ÿber Zeit als Problem von Macht

Arbeitszeit ist eine zeitliche Restriktion, die hinsichtlich ihrer Dauer und Lage wie auch der inneren zeitlichen Ordnung des Arbeitstages weitgehend fremdkontrolliert ist.

Zeitškonomie und Zukunftsbezug erlangen also in dem Ma§e allgemeine Verbindlichkeit, wie erwerbswirtschaftliche Arbeit zum normalen Modus der Existenzsicherung wird. Nun ist aber dieser neue Zukunftsbezug von Arbeitskraftbesitzern keineswegs identisch mit demjenigen, der Kapital eigen ist: WŠhrend durch Kapitalbildung und Kreditwesen gleichsam zeitfeste Kontingente geschaffen werden, die nach festen Regeln und unter kalkulierbaren Risiken eingesetzt werden kšnnen, bleibt der Zukunftsbezug des Lohnarbeiters auf die lebenszeitliche Abwendung von Not bezogen. (Olk, 1978, S. 163f.)

Arbeitsinhalt und Arbeitszeit: Ein Beispiel

In der Form der Lohnarbeit bestehen fŸr das Individuum zwei Schranken, sich mit dem Arbeitsprozess zu identifizieren. Zum einen, von der stofflichen Seite her, dadurch, dass es auf fremde Anweisung seine ArbeittŠtigkeiten auszufŸhren hat, und zum anderen dadurch, dass es sich zumindest unter kapitalistischen Bedingungen mit dem Ziel der Profitmaximierung des Betriebes nicht oder nur indirekt identifizieren kann, da ihm das Resultat der Arbeit in abhŠngiger BeschŠftigung nicht voll zukommt oder es nur sehr vermittelt daran teilhat. Dort, wo EigentumsverhŠltnisse - wenigstens im Ansatz oder dem Anspruch nach - verŠndert und die dort arbeitenden Menschen MiteigentŸmer ihrer Produktionsmittel sind, wo sie infolgedessen in gewissen, wenn auch teilweise sehr engen Grenzen, die Bedingungen ihrer Arbeit gestalten kšnnen, verliert die zeitliche Dimension der Arbeit wieder an Gewicht.

Auch in familiengefŸhrten EinzelhandelsgeschŠft versuchen die arbeitenden Personen selbstverstŠndlich, die ArbeitsmŸhe zu minimieren und den Anteil ihrer arbeitfreien Zeit zu erhšhen. Allerdings in einem teilweise anderen Sinne als dies bei abhŠngiger BeschŠftigung der Fall ist. Mann kann zunŠchst davon ausgehen, dass sich das Kaufmanns-Ehepaar weitgehend mit den Zielen und Arbeitsformen ihres GeschŠftes identifiziert.

Kontrolle Ÿber die Arbeitszeiten

WŠhrend der selbstŠndige Einzelhandelskaufmann das gesamte Zeitverwendungsmuster seines Lebens von vornherein mit seinem Arbeitsziel identifiziert und Mu§ezeiten und Zeiten der Arbeit nur teilweise voneinander geschieden sind, wird der abhŠngig BeschŠftigte gezwungen, ein artifizielles oder klischeehaftes Zeitverwendungsmuster zu produzieren.

Kontrollverlust aus der Sicht der Arbeitspsychologie

Ein Entzug von Kontrolle Ÿber die Bedingungen der Arbeit fŸhrt nicht nur zu einer Erhšhung des sozialen Konfliktpotentials und zu einer PrŠzisierung zeitlicher Normierungen, sondern auch zu erheblichen physischen und psychischen Belastungen des Individuums innerhalb seiner Arbeitssituation.

The Long Arm of the Job: Der Einflu§ der Arbeitsbedingungen auf die arbeitsfreie Zeit

AbhŠngigkeiten der erwerbsarbeitsfreien Zeit vom Produktionsbereich

Verhaltensrestriktionen

Wenn inhaltsleere Arbeit zu einem restriktiven Verhaltensmuster in der arbeitsfreien Zeit fŸhrt, wird das auch als carry-over-Effekt bezeichnet. Um diesen Effekt auf die Schliche zu kommen, mŸssen folgende Fragestellungen berŸcksichtigt werden:

Sind es wirklich die Arbeitsbedingungen, die zu solch einem restriktiven Verhaltensmuster in der arbeitsfreien Zeit fŸhren oder ist es vielleicht auch die Sozialisation der Erwerbsbiografie?

Ist es die restriktive Arbeitssituation oder sind es die AktivitŠten ausserhalb der Arbeit, welche intensiveren Einflu§ auf die Reproduktionsbedingungen Ÿben?

Wie steht es um die individuelle FŠhigkeit zur BewŠltigung von Arbeitsbelastungen?

Meisner ist in seiner Untersuchung ãStudy of Work and LeisureÒ - deren Ergebnisse er unter dem bezeichnenden Titel ãThe long Arm of the JobÒ veršffentlichte - von drei Dimensionen ausgegangen:

discretions (Handlungsspielraum / Dispositionsmšglichkeiten)

express-instrumental dimension (Artikulationsmšglichkeiten)

social interaction

Gesundheitliche BeeintrŠchtigung

Marstedt und Schahn konnten anhand einer Untersuchung ZusammenhŠnge von Arbeitsbedingungen und psychosomatischen Beschwerden nachweisen. Dabei zeigt innterhalb einer Skala mehrerer Belastungsfaktoren die von den Beteiligten wahrgenommene ArbeitsintensitŠt eine im Vergleich zu anderen Belastungsfaktoren sehr hohe Korreltaion zu psychosomatischen Beschwerden. Untersucht wurde unter anderem auch der Zusammenhang von Arbeitsbelastung und Freizeitgestaltung auf ein potentielles Herzinfarktrisiko.

Die Studie von Martin unterscheidet die Reaktionen auf Arbeitsbedingungen anhand zweier Merkmale; zum einen konstruktive Unzufriedenheit und zum anderen resignative Zufriedenheit.

Freizeit oder Regenerationszeit?

MŠxchen Weber - Gott sei seiner Seele gnŠdig - formulierte seinerzeit einen Fragenkatalog, der darauf abzielte herauszufinden, welche Art von au§erberuflichen Interessen, produzierend oder rezipierend, ein normaler Arbeiter Ÿberhaupt noch pflegen kšnne, nachdem er durch seine Berufsarbeit auf eine jeweils spezifische Art ermŸdet worden sei.

Es wŠre falsch, dem Arbeitsprozess zu unterstellen er bestimme gŠnzlich das Reproduktionsverhalten. Der ausserbetriebliche Lebenszusammenhang ist ein weiterer wesentlicher Bezugspunkt, weil dann Ÿber die faliliale Lebensweise arbeitsbedingte Unterschiede bei der Gestaltung der freien Zeit rlativiert werden kšnnten (Schlšsser, 1981, S. 48).

Kontrolle Ÿber die formale Struktur des Zeitbudgets

Die Belastungssituation im Arbeitsbereich wirkt sich nicht nur auf die TŠtigkeitsinhalte der Individuen und ihrer sozialen Bezugsgruppen aus, sondern auch auf den Umgang mit der Zeit als solcher; also der ãformalen StrukturÒ des Zeit-Budgets.

Die Forschungsarbeiten zur Arbeit-Freizeit-Problematik und hier speziell diejenigen, die sich mit der Reaktion von Individuen und sozialen Gruppen auf Nacht- und Schichtarbeit oder auf die Doppelbelastung der berufstŠtigen Frau befassen, zeigen, dass auf gleiche oder Šhnliche Belastungskonfigurationen unterschiedlich reagiert wird. Hier greift der kulturelle Background zu weiteren ZusammenhŠngen wie Alter, Geschlecht, Arbeitsbiografie, Sozialisation, Schichtzugehšrigkeit, Persšnlichkeitstyp, etc.

Bearbeitungsmodi von Zeit:

Dauer (kurz / lang)

zeitliche Lage (frŸher / spŠter)

FlexibilitŠt / Starrheit

Kontinuierlichkeit / Diskontinuierlichkeit

IntensitŠt (hohe / geringe Arbeitsgeschwindigkeit)

Zeitvertiefung

Kompetenzstufen

In wieweit ein Individuum, der ihm gestellten Aufgaben in zeitlicher Hinsicht gewachsen ist, hŠngt von einem Faktor ab, der hier als Stufe der Kompetenz bezeichnet werden soll:

ungerichtet-chaotisches Handeln

strukturiert-rigides Handeln

kontrolliert-bedŸrfnisgerechtes Handeln

 

Verlust zeitlicher Kontrollkompetenz

Diese strukturbedingten, mehr oder weniger stark ausgeprŠgten VerhaltenszwŠnge oder, anders ausgedrŸckt, die kleiner werdenden zeitlichen OptionsspielrŠume stellen die Enteignung eines wesentlichen Teils der gesamten individuellen Handlungskompetenz dar. Eine Ÿber ein gewissses Ma§ hinausgehende Anhebung des Leistungsniveaus hšhlt Handlungs- und Entscheidungskompetenzen als solche in einem langsamen Erosionsprozess aus. Sie werden ersetzt durch strukturelle ZwŠnge. So bleibt unter einem wie auch immer hergestellten Zeitdruck von einem bestimmten Punkt an kaum noch die Mšglichkeit zu kontrolliert-bedŸrfnisgerechtem Handeln, sondern tendenziell nur noch die Mšglichkeit zu rigiden oder - falls dies aufgrund der Persšnlichkeit nicht durchfŸhrbar ist - i. d. R. zur chaotischen Organisation des Familienalltags.

Die Leistungsspirale

Je stŠrker die Leistungskontrolle im Unternehmen und je intensiver die Arbeit ist, desto mehr muss der Reproduktionsbereich vom Individuum und seinem sozialen Umfeld daraufhin orientiert und organisiert werden.

AdŠquanz von Leistungs- und Zurichtungsapparatur: Ein Modell

Es ist fŸr das arbeitende Individuum unabdingbar, permanent auf eine der geforderten Leistung entsprechende Zurichtung seiner biologischen Funktionen, seiner psychischen BewŠltigungsfŠhigkeit sowie seiner sozialen Eingebundenheit hin zu arbeiten.

Die Kosten, die die Produktion durch die Vernutzung der menschlichen Arbeitskraft schafft, kšnnen also nur bedingt externalisiert werden, etwa dadurch, dass die Existenz eines Proletariats hingenommen wird. Wenn der Raubbau am ArbeitskrŠftepotential eines Landes, wie er durch die HeranfŸhrung immer neuer und Entlassung der verschlissenenen ArbeitskrŠfte geschieht, weitgehend unmšglich oder zumindest schwieriger wird, dann lЧt sich jede sŠkulare allgemeine Erhšhung der Belastung in der Produktion nur durch eine adŠquate VerŠnderung der BewŠltigungsstrukturen im Reproduktionsbereich auffangen, wobei Reproduktionsbereich hier nicht nur der zeitlich und šrtlich lokalisierte Bereich der Fall ist, sondern auch den der Reproduktion im betrieblichen Alltag umfa§t (Pausenregelung, sanitŠre Anlagen, Kantinen, usw.).

Im Durchschnitt hat die fŸr das Leistungsverhalten entscheidende zeitliche Verdichtung der Arbeit nachweisbar in erheblichen Ma§en zugenommen. Allerdings muss die Steigerung der Leistung nicht gleichbedeutend mit einer Erhšhung der Belastung sein. Inwiefern diese Steigerung der Leistungsdichte zu hšheren Belastungen fŸhrt, hŠngt mit hoher Wahrscheinlichkeit u. a. von dem materiellen und kulturellen Niveau sowie dem Niveau der geforderten Affektkontrolle ab, das gesellschaftlich fŸr durchschnittlich ertragbar gehalten wird (vgl Levines Studie, Ÿber den internationalen Umgang mit Zeit).

Rindspachers Varianten des Leistungs-Zurichtungs-VerhŠltnisses als Schaubild (siehe dazu ins Buch auf Seite 262) verdeutlicht, dass Leistungssteigerung sowohl hinsichtlich des allgemeinen gesellschaftlichen Leistungsniveaus wie auch einer Einzelperson immer dann relativ unproblemtisch sein kann, wenn die Zurichtungsapparaturen hierauf abgestimmt sind und dadurch bewirkt wird, dass sich die pathogenen Folgen in Grenzen halten.

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